Großbritannien
London fordert Grenzen für Banker-Boni

In Großbritannien scheinen sich die Banken zum Staatsfeind Nummer eins zu entwickeln. Sowohl Regierung als auch Opposition überbieten sich mit scharfen Angriffen auf die Finanzbranche, die nach Meinung der Politiker die Lehren aus der Krise noch nicht gezogen hat. Grund für den Zorn: die Schätzungen für die Bonuszahlungen in diesem Jahr.
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LONDON. Am Montag ging George Osborne, der Schattenschatzkanzler der Konservativen, in die Offensive und forderte die britischen Großbanken auf, in diesem Jahr keine Bar-Boni auszuzahlen und ihre Mitarbeiter stattdessen mit neuen Aktien zu entlohnen. Ihre Barreserven sollten die Geldhäuser verwenden, um die Kreditvergabe auszuweiten. Allen Instituten, die sich nicht an diese Vorgaben halten, sollten direkte und indirekte Staatshilfen gestrichen werden, forderte Osborne: „Wir brauchen diesen Notfallplan, um zu verhindern, dass die Banken ihr Kapital für Boni verschwenden, anstatt es dem Rest der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.“

Grund für den Zorn der Politiker sind die Schätzungen für die Bonuszahlungen in diesem Jahr. Das Centre for Economic & Business Research gehen davon aus, dass die Geldhäuser in der Londoner City nur zwölf Monate nach dem Beinahekollaps des Weltfinanzsystems bereits wieder sechs Mrd. Pfund an ihre Angestellten auszahlen werden. Das wären 50 Prozent mehr als 2008 aber noch immer deutlich weniger als im Boomjahr 2007.

Einige Banken in der Londoner City reagieren inzwischen allerdings verärgert auf die Attacken aus der Politik. „Man merkt, dass der Wahlkampf bereits begonnen hat. Die Finanzindustrie hat doch bislang alle Forderungen der Politik in Sachen Boni anstandslos erfüllt“, heißt es bei einer britischen Großbank. City-Veteran David Buik vom Brokerhaus BGC Partners bezeichnete Osbornes Vorschläge als „polemisch und nicht praktikabel“.

Auf Druck der Labour-Regierung mussten sich die größten britischen Banken und die wichtigsten Auslandsinstitute in der City bereits verpflichten, die neuen Bonus-Prinzipien der G20-Staaten und den neuen Bonus-Kodex der Finanzaufsicht FSA bereits dieses Jahr anzuerkennen. Die neuen Regeln sehen ohnehin vor, dass Ausschüttungen stärker in Form von Aktien oder Aktienoptionen statt in bar ausgezahlt werden. Außerdem sollen die Boni über mehrere Jahre gestreckt werden. Und die Banken sollen die Möglichkeit bekommen, einen Teil der Boni zurückzufordern, falls sich kurzfristige Gewinne doch noch in Verluste verwandeln sollten. Schließlich sollen die Banken die Struktur ihres Vergütungssystems veröffentlichen. Die FSA hat den Instituten dafür bis Ende dieser Woche Zeit gegeben.

Eine absolute Höchstgrenze für die Ausschüttungen sehen aber weder die G20-Regeln noch der Kodex der Finanzaufsicht vor. Doch gerade die Höhe der geplanten Zahlungen verärgert die Politiker. Erst vor wenigen Tagen rechnete Notenbank-Chef Mervyn King vor, dass die britischen Steuerzahler für Garantien, Bürgschaften und direkte Kapitalhilfen zur Rettung des Bankensystems fast eine Billion Pfund ausgegeben haben.

Angesichts dieser Summe sei es nicht vermittelbar, wenn die Institute bereits jetzt wieder Millionen an einzelne Banker ausschütten – selbst wenn sie sich an die G20-Prinzipien hielten, warnt Labour-Finanzstaatssekretär Paul Myners. Um Bonusexzesse wie in der Vergangenheit zu vermeiden, fasste die Labour-Regierung deshalb sogar eine Strafsteuer auf Bankengewinne ins Auge. Dieser Plan wurde inzwischen allerdings wieder verworfen. Stattdessen drohte Myners den Banken am Montag mit einer Überprüfung ihrer Gebührenstruktur im Investmentbanking durch die Wettbewerbsbehörden. Viele Unternehmen werfen den Banken vor, den geringeren Konkurrenzdruck nach der Finanzkrise auszunutzen, um überzogene Gebühren für Kapitalerhöhungen und Anleiheplatzierungen durchzusetzen.

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