_

Großbritannien: London lockert Arbeitsrecht für neue Jobs

Jobs gegen gelockertes Arbeitsrecht - diesen Deal machte jetzt die britische Regierung mit ihren nationalen Unternehmen. Beim so genannten Jobgipfel unter Premier Cameron versprachen unter anderem zwei Supermarktketten bald Arbeitsplätze zu schaffen. Die Regierung verpflichtete sich im Gegenzug Arbeitsrechte einzuschränken.

David Cameron: Der Premier will neue Arbeitsplätze in seinem Land schaffen. Quelle: Reuters
David Cameron: Der Premier will neue Arbeitsplätze in seinem Land schaffen. Quelle: Reuters

LONDON. Britische Unternehmen schaffen neue Jobs, die Regierung lockert im Gegenzug das Arbeitsrecht. Das ist das Ergebnis des gestrigen „Jobgipfels“ in der Downing Street. Ziel ist, Arbeitsplätze zu ersetzen, die im öffentlichen Dienst abgebaut wurden. Premier David Cameron versprach die „unternehmerfreundlichste, wachstumsförderndste Pro-Job-Agenda, die eine Regierung je hatte“.

Anzeige

So sollen Arbeitgeber vermeintliche Faulenzer künftig leichter feuern können. Das Recht, Arbeitsgerichte anzurufen, wird eingeschränkt, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verkürzt. Die Gewerkschaft Unite nannte die Pläne eine „Attacke auf die schwächsten Arbeitnehmerrechte Europas, die nichts mit der Schaffung von Arbeitsplätzen zu tun hat“. Auch der Berufsverband der Personaldienstleister (CIPD) warnte, eine Lockerung des Arbeitsrechts werde wenig an der drohenden Jobkrise ändern: „Entscheidend für die Beschäftigung in der Privatwirtschaft ist, ob Nettoexporte den langsameren Konsum ausgleichen können.“

Kaum hochwertige Arbeitsplätze

Laut Downing Street wurden in den vergangenen sechs Monaten 300 000 neue Arbeitsplätze im Privatsektor geschaffen. Während die von der Regierung unabhängige Haushaltsbehörde OBR in ihrer Dezemberprognose von einem stabilen Arbeitsmarkt 2011 und einer nur leichten Erhöhung der Arbeitslosenquote von derzeit 7,9 Prozent auf maximal acht Prozent ausgeht, rechnet das CIPD mit 2,7 Millionen Arbeitslosen und einer Quote von neun Prozent. Mehrwertsteuererhöhungen und Sparmaßnahmen kosteten im öffentlichen Dienst 120 000 und in der Privatwirtschaft 80 000 Jobs, prognostiziert der Verband.

Beim Gipfeltreffen sagten vor allem Dienstleister neue Jobs zu, die Supermarktkette Sainsbury’s etwa 20 000 binnen drei Jahren, beim Mitbewerber Morrisons sollen es 6 000 sein. Hochwertigere Arbeitsplätze in der Industrie bleiben dagegen Mangelware.

  • 11.01.2011, 14:40 UhrAnonymer Benutzer: Ausverkauf! Ausverkauf!

    Jetzt Ausverkauf der Arbeitnehmerrechte!

    Lieber die Rechte der Leute beschneiden, um wenigstens noch Lohnsteuer einzunehmen, als eine Anstellungsverpflichtung für Unternehmen zu verabschieden!

    Eine umsatzabhängige Starfsteuer für zuwenig Angestellte eines Unternehmens wäre viel effektiver, um die beschäftigungszahlen zu verbessern!

    Lasst endlich die Unternehmen zur Kasse!

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International