Großbritannien
Milliardenschweres Kreditprogramm aufgelegt

Die britische Regierung will mit einem milliardenschweren Kreditprogramm die Wirtschaft des Landes ankurbeln. Sie hofft, dass die Banken das Geld zu günstigen Konditionen an Unternehmen und Privathaushalte weitergeben.
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LondonGroßbritannien unternimmt einen neuen Versuch zur Ankurbelung der Kreditvergabe. Die Regierung und die Notenbank des Landes wollen in den kommenden eineinhalb Jahren 80 Milliarden Pfund in die Hand nehmen, um Banken zur Bewilligung von Krediten an Unternehmen und Haushalte zu ermuntern. Das Land sei angesichts des Schuldensturms in Kontinentaleuropa nicht machtlos, sagte Finanzminister George Osborne am Freitag bei der Vorstellung des Programms.

Nach den bisher vergeblichen Versuchen, die Kreditvergabe anzuregen, soll es das billige Geld diesmal nur unter dem Nachweis geben, dass es tatsächlich an Unternehmen und Verbraucher weitergereicht wird. Zentralbankchef Mervyn King räumte dennoch ein, dass ein Erfolg nicht garantiert sei.

Um der britischen Wirtschaft wieder auf die Beine zu verhelfen, sollen die Finanzhäuser den Plänen zufolge bis zu fünf Prozent ihrer bereits existierenden Ausleihungen bei der Bank of England zu extrem günstigen Bedingungen bekommen. Wie die Notenbank mitteilte, beträgt der Zins für das Geld nur 0,25 Prozent und liegt damit unter dem Leitzins von 0,5 Prozent.

Dieser niedrige Zins ist jedoch an Bedingungen geknüpft. Die Institute kommen nur in den Genuss, wenn sie das Geld auch tatsächlich verleihen und in die Wirtschaft pumpen. Tun sie das nicht, droht ihnen ein deutlich höherer Zins von 1,5 Prozent. Vor allem kleinen Unternehmen und Erstkäufern von Immobilien soll mit der Initiative geholfen werden. Gerade diese beiden Gruppen sind besonders von der Zurückhaltung der Banken betroffen.

Großbritannien steckt bereits zum zweiten Mal in der Rezession. Die Wirtschaft ist relativ einseitig auf den riesigen Finanzsektor - der Bankenplatz London ist das mit Abstand größte Finanzzentrum Europas - ausgerichtet und fürchtet eine Ansteckung seiner Banken, sollten die Schuldenprobleme in der Euro-Zone überhand nehmen. Auch dort ist die Kreditvergabe schwach.

Erst vor einer Woche hat die britische Zentralbank im Kampf gegen die Rezession und aus Angst vor einer Ansteckung durch die Schuldenkrise in der Euro-Zone ihr Anleihekaufprogramm um 50 Milliarden auf 375 Milliarden Pfund aufgestockt. Es ist bereits das dritte Mal, dass die BoE zu diesem Mittel greift. Notenbankchef King hat erst kurz zuvor mit Blick auf die Euro-Krise von einer "dunklen Wolke der Unsicherheit" gesprochen, wegen der Haushalte und Unternehmen nicht mehr konsumieren oder investieren wollten. Zudem stiegen die Finanzierungskosten der Banken zuletzt deutlich an.

Die Banken selber betonen, dass gerade die von King angesprochene Unsicherheit sie von der Kreditvergabe abhält. King und Osborne haben bereits im Juni signalisiert, dass sie dagegen etwas unternehmen wollten. Damals hatten die Aktien britischer Banken deutlich zugelegt. Die Bekanntgabe der Details zeigte am Markt hingegen am Freitag wenig Wirkung. Royal Bank of Scotland legten 0,3 Prozent zu, Barclays notierten unverändert und Lloyds lagen minimal im Minus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Großbritannien: Milliardenschweres Kreditprogramm aufgelegt"

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  • Das könnte dazu führen, dass Kredite an windige Geschäfte vergeben werden, was dann ein Boomerang wäre.

    Vielleicht will man aber auch einfach nur Inflation betreiben um die Schuldenlast zu drücken.


  • "Sollten sie dies nicht tun, droht ihnen ein deutlich höherer Zins, den sie dann berappen müssen" - der wäre? 1% oder 2%?

    Ich denke damit können die Spekulanten gut leben. Falls es schief geht, muss doch wieder der Staat zahlen.

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