Großbritannien
Ökonomen fürchten 200 Milliarden Pfund Neuverschuldung

Die Lage der britischen Staatsfinanzen wird immer bedrohlicher. Die jüngsten Daten zur Neuverschuldung wecken Zweifel, ob die Labour-Regierung ihre Finanzziele im laufenden Haushaltsjahr noch erreichen kann und schüren damit das Misstrauen gegenüber der Bonität des Königreichs weiter.
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LONDON. Im Oktober wuchs der britische Schuldenberg um 11,4 Mrd. Pfund (12,8 Mrd. Euro). Das ist schnellster Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen in den 70er-Jahren. In den vergangenen zwölf Monaten musste sich die Regierung von Premierminister Gordon Brown damit rund 138 Mrd. Pfund leihen, fast dreimal so viel wie im Jahr davor. Analysten hatten für Oktober lediglich mit einem Anstieg der Neuverschuldung um sieben Mrd. Pfund gerechnet.

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat Großbritannien in die schlimmste Haushaltslage seit den 50er-Jahren gestürzt, als das Land seine Kriegsschulden abtragen musste. Mittlerweile steckt die Insel seit sechs Quartalen in der Rezession. Die großen Ratingagenturen beobachten die Finanzlage des Landes seit Monaten mit Misstrauen. Gerade erst warnten die Experten von Fitch, dass das Vereinigte Königreich Gefahr laufe, die Bonitäts-Bestnote „AAA“ zu verlieren.

Die Regierung plant für das Haushaltsjahr zum 31. März bisher eine Neuverschuldung von 175 Mrd. Pfund. Das entspräche zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung – ein Spitzenwert unter den 20 größten Volkswirtschaften.

Doch Ökonomen zweifeln nach den jüngsten Daten, ob sich selbst dieses Ziel erreichen lässt. „Inzwischen ist fast sicher, dass Finanzminister Alistair Darling die angestrebte Marke um einiges verfehlen wird“, warnen die Experten von IHS Global Insight. Realistischerweise müsse man nun mit einer Neuverschuldung von etwa 200 Mrd. Pfund rechnen.

Dieses Defizit und die Kosten der Bankensanierung muss Finanzminister Alistair Darling vor allem über die Platzierung von Staatsanleihen decken. Bisher plant die Regierung ein Emissionsvolumen von 220 Mrd. Pfund – 50 Prozent mehr als 2008.

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