Großbritannien
Parlament kippt letzte Hürde für Homo-Ehe

Das britische Parlament hat für die Legalisierung von Homo-Ehen gestimmt – und macht damit den Weg frei für Trauungen in Wales und England ab Mitte 2014. Nur noch die Königin muss zustimmen. Die Konservativen toben.

LondonDas britische Parlament hat den Weg für gleichgeschlechtliche Ehen in England und Wales frei gemacht: Erste Paare können sich voraussichtlich ab Mitte 2014 das „Ja“-Wort geben. Das Unterhaus in London stimmte am Dienstag für die Legalisierung homosexueller Hochzeiten und verzichtete auf Änderungen an der umstrittenen Vorlage des House of Lords. Es wird erwartet, dass Königin Elizabeth II. der Neuregelung noch diese Woche zustimmt.

Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre dies ein historischer Durchbruch der von einer Gesellschaftsmehrheit getragenen liberalen Kräfte gegenüber ihren konservativen Gegnern. Allerdings gilt die Neuerung nicht für Schottland und Nordirland, wo gleichgeschlechtliche Eheschließungen aufgrund eigener Gesetze vorerst unzulässig bleiben. Das britische Kulturministerium äußerte die Erwartung, dass die königliche Zustimmung zum Gesetz schon am Mittwoch oder Donnerstag erfolgen dürfte.

„Wahrscheinlich erleben wir die erste gleichgeschlechtliche Hochzeit Mitte kommenden Jahres, weil es bis dahin noch einige Probleme zu lösen gilt, etwa bei den Auswirkungen auf das Rentensystem“, sagte ein Ministeriumssprecher. Vor dem Inkrafttreten ist auch noch eine Umstellung der Computer-Programme in den Standesämtern erforderlich, die Schätzungen zufolge umgerechnet 2,3 Millionen Euro kosten dürfte. Allerdings verspricht sich die Regierung durch Hotelbuchungen, Catering-Aufträge und andere Ausgaben einen weitaus höheren Wirtschaftsschub von jährlich 16,8 Millionen Euro.

Das Gesetzesvorhaben ging auf ein Wahlversprechen der Liberaldemokraten in der Regierungskoalition zurück, deren Abgeordnete der Vorlage zusammen mit ihren oppositionellen Labour-Kollegen bereits im Unterhaus zugestimmt hatten. Vize-Regierungschef Nick Clegg von den Liberaldemokraten würdigte das Gesetz als Beweis dafür, dass homosexuelle Paare „anerkannt und wertgeschätzt, nicht ausgeschlossen werden“. Dutzende Abgeordnete der konservativen Tories von Premierminister David Cameron sahen das anders und stimmten gegen die Vorlage.

Das frühere Tory-Kabinettsmitglied Gerald Howarth äußerte sich schon im Vorfeld empört über die absehbare Niederlage. „Es ist verblüffend, dass ein Gesetz durch beide Häuser geboxt wurde, für das es überhaupt kein Mandat gibt und gegen das eine Mehrheit der Konservativen gestimmt hat“, wetterte er. „Lediglich zwei Stunden Zeit für die Debatte sind eine absolute parlamentarische Schande.“

In Großbritannien können schwule und lesbische Paare seit dem Jahr 2005 ihre Partnerschaft eintragen lassen und dadurch die gleichen Rechte und Verantwortlichkeiten wie heterosexuelle Paare erhalten. Den meisten Glaubensgemeinschaften soll künftig freigestellt werden, ob sie gleichgeschlechtliche Ehen zulassen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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