Großbritannien
Terroristen in weiß

Das Bild, das sich Großbritannien von seinen islamistisch motivierten Extremisten gemacht hat, ist nach den Anschlagsversuchen von London und Glasgow nicht länger aktuell: Die mutmaßlichen Attentäter sind keine auf der Insel geborenen Einwandererkinder, sondern legal zugewanderte Mediziner aus dem Nahen Osten und aus Indien. Die Varianz der Täterprofile erschwert die Arbeit der Fahnder.

HB LONDON. Spätestens seit den Londoner Selbstmordattentaten vor zwei Jahren fühlt sich Großbritannien von jungen Männern bedroht, die als Nachkommen von Einwandererfamilien auf der Insel aufgewachsen sind und sich inmitten einer freiheitlichen Ordnung radikalem Gedankengut zugewandt haben. Die Verbindungen zur gefürchteten El Kaida sollen dabei lediglich ideeller Natur sein.

Unter dieser Annahme hat der britische Geheimdienst MI5 in den vergangenen Jahren rund 1 600 sogenannte „selbst gezogene“ Extremisten unter Beobachtung genommen, regionale Dependancen aufgemacht und seinen personellen Umfang seit 2001 fast verdoppelt.

Die acht nun in Gewahrsam genommenen Verdächtigen brechen mit diesem Muster: Aus den Sicherheitsbehörden ist herausgesickert, dass alle entweder Ärzte sind oder einen medizinischen Beruf haben. Zwei - darunter ein in Australien in Gewahrsam genommener Mann - stammen aus Indien, die anderen aus dem Nahen Osten. Doktor Bilal Abdulla hat seine Ausbildung im Irak absolviert. Mohammed Asha hat die jordanische Staatsbürgerschaft. Asha lebt Angaben seines Vaters zufolge seit 2004 in Großbritannien, Abdulla kam Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr ins Land. Die Polizei hat nun 28 Tage lang Zeit, sie zu verhören und eine Anklage zu begründen.

„Es ist nicht überraschend, dass gut ausgebildete Leute zu solchen Netzwerken gehören“, sagte der Sicherheitsexperte Peter Neumann vom Londoner Kings College am Dienstag. „Das Klischee ist falsch, dass sie benachteiligt und schlecht ausgebildet sind, weniger als der Durchschnitt verdienen und so weiter.“

Daneben fällt noch ein Unterschied auf: In vielen Fällen der jüngsten Vergangenheit führten die Spuren nach Pakistan. Bei mindestens drei Anschlagsplänen waren die jeweiligen Anführer in das Nachbarland Afghanistans gereist, wo El-Kaida-Chef Osama bin Laden vermutet wird. Diesmal aber gibt es zunächst keinen Hinweis darauf.

Der Fall unterstreiche nur, dass für potenzielle islamistische Extremisten kein klares Profil angelegt werden könne, sagten Vertreter der britischen Anti-Terror-Programme angesichts der ersten Ermittlungsergebnisse. „Das Muster ist, dass es kein Muster gibt.“

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