Großbritannien
Terrorverdächtiger von Detroit hatte Einreiseverbot

Über den terrorverdächtige Flugzeugbomber von Detroit, Umar Faruk Abdulmutallab, werden immer mehr Einzelheiten bekannt. Ihm ist im Frühjahr wegen Sicherheitsbedenken die Einreise nach Großbritannien verweigert worden. Er stammt aus einer reichen Familie und ist der Sohn eines ehemaligen Ministers und Bankenchefs.
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HB DETROIT/LONDON/AMSTERDAM. Britische Behörden hatten nach Regierungsangaben vom Sonntag im vergangenen Mai einen Antrag auf ein neues Visum für den 23-jährigen Nigerianer abgelehnt, der am ersten Weihnachtsfeiertag versucht hatte, in einem Airbus der US-Gesellschaft Delta Airlines kurz vor der Landung in Detroit eine "pudrige Substanz" zu entzünden. Zwischen 2005 und 2008 durfte er sich in Großbritannien aufhalten, weil er am University College in London Maschinenbau studierte. Abdulmutallab hatte jedoch ein gültiges US-Visum.

Der 23-Jährige wohnte in der Wohnung seines wohlhabenden Vaters, eines ehemaliger Ministers und Bankenchefs in Nigeria. Dort bestätigte Alhaji Umaru Mutallab die Identität seines Sohnes. Er wisse aber nicht, wo sein Sohn sich auf seinen Reisen zuletzt aufgehalten habe. In London sei er seit längerer Zeit nicht mehr gewesen.

Der Vater soll laut einem Bericht der nigerianischen Zeitung „This Day“ über den Fundamentalismus seines Sohnes sehr besorgt gewesen sein. Darüber soll er auch mit Sicherheitsbehörden gesprochen haben. Mutallab war am Samstagabend in der Stadt Abuja zu Gespräche mit Vertretern der US-Botschaft sowie nigerianischen Behörden eingetroffen. Ein Cousin des 23-Jährigen sagte dem „Sunday Telegraph“, die Familie habe befürchtet, dass Abdulmutallabs Glaube in Großbritannien „radikalisiert“ wurde. Er soll den Geheimdiensten britischen Medienberichten zufolge bekanntgewesen sein. Allerdings habe man ihn als nicht besonders gefährlich eingestuft, so dass ihm auch Flüge erlaubt waren

Die britische Polizei sicherte am Sonntag weiter die Spuren in drei Immobilien des prominenten Nigerianers in London. Die Ermittler konzentrieren sich dabei auf die Wohnung, in der auch Abdulmutallab lebte. Sie liegt in einem noblen Diplomatenviertel nahe Oxford Circus. Immobilien in derselben Straße wurden dieses Jahr für 1,65 bis 3,15 Mio. Pfund (derzeit 1,8 bis 3,5 Mio Euro) verkauft.

Bei dem gescheiterten Terroranschlag wurde nach Angaben der Justizbehörden 80 Gramm des Plastiksprengstoffs Nitropenta (PETN) verwendet. Dieses auch militärisch genutzte Mittel ist schon bei geringer Menge besonders explosiv. Es wurde auch von dem sogenannten Schuhbomber Richard Reid verwendet, der 2001 versucht hatte, einen Anschlag auf einen Transatlantikflug zu verüben.

Beim Landeanflug auf Detroit kam es in der Maschine der US-Gesellschaft Northwest Airlines nicht zur Explosion, sondern nur zu einem kleineren Brand. Der mutmaßliche Täter, der Nigerianer Umar Farouk Abdulmuttalab, wurde am Samstagabend des geplanten Anschlags auf ein Flugzeugs angeklagt. Bezirksrichter Paul Borman las dem 23-Jährigen in der Universitätsklinik von Ann Arbor, Michigan, die Anklage vor. Abdulmuttalab wird dort wegen Brandwunden behandelt.

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