Großbritannien
Tony Blair 2006: Pleiten, Pech und Pannen

Am kommenden Montag könnte der britische Premier Tony Blait den 9. Jahrestag seiner Regierungsübernahme feiern. Affären, Fehlleistungen und Skandale seiner Vertrauten im Kabinett machen es derzeit aber nicht sonderlich wahrscheinlich, dass Blair auch den 10. Jahrestag im Amt erlebt.

HB LONDON. Tony Blairs Albträume lassen sich in drei Zitaten zusammenfassen: „Ich entschuldige mich, ich habe mich entschuldigt und ich tue es weiterhin“, sagte Innenminister Charles Clarke. „Tut mir leid, man kann sich nicht um alles kümmern“, erklärte Gesundheitsministerin Patricia Hewitt. Und Vize-Premier John Prescott sagte: „Ich bedauere es, aber ich hatte eine Affäre.“

Drei Entschuldigungen für Schlagzeilen machende Fehlleistungen. Von drei Vertrauten des britischen Premierministers. Und alles innerhalb von 24 Stunden. „Verhext, verstört und fassungslos“, schrieb der konservative „Daily Telegraph“ am Donnerstag über die Bilder der drei verbiestert dreinblickenden Blair-Getreuen. Kommentar: „Blair muss den Preis für Misswirtschaft zahlen.“

Am kommenden Montag könnte der Premier den 9. Jahrestag seiner Regierungsübernahme feiern. „Wird er den 10. im Amt erleben?“, fragen jetzt viele. Bei dem Dreifach-Volltreffer auf die ohnehin sinkende Popularität Labours werden es die inzwischen überwiegend Blair-kritischen Medien nicht bewenden lassen. In allen drei Fällen wird weiter gebohrt, und mit neuen Pannen einer als verbraucht geltenden Regierung wird allgemein gerechnet.

Charles Clarke, dem Innenminister, der sich so wortreich öffentlich entschuldigte, wird vorgehalten, dass in den vergangenen Jahren mehr als 1 000 straffällig gewordene Ausländer nach Verbüßung ihrer Haft in Großbritannien untertauchen konnten, statt abgeschoben zu werden. Darunter Mörder, Totschläger, Räuber und Vergewaltiger von Kindern. Blair stellte sich zunächst vor Clarke. Doch am Donnerstag meldeten die Blätter, der Minister habe schon vor zehn Monaten von unglaublichen Behördenschlampereien gewusst, die selbst als gemeingefährlich geltenden ausländischen Ex-Häftlingen den Verbleib im Königreich ermöglichten.

Patricia Hewitt, ebenfalls aus dem engeren Kreis um Blair, ist derzeit die „Buhfrau“ für eine umstrittene Reform des krisengeschüttelten Gesundheitswesens. Tausende von Arbeitsplätzen in Krankenhäusern sind gefährdet. Die Ministerin antwortete auf Fragen besorgter Krankenschwestern in einer hitzigen Debatte unbedacht, es tue ihr ja leid, aber sie könne sich nicht um alles kümmern.

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