Großbritannien und der Brexit: Die für May gefährlichen Gegner sitzen in den eigenen Reihen

Großbritannien und der Brexit
Aus Theresa May wird Theresa Maybe

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Die für May gefährlichen Gegner sitzen in den eigenen Reihen

Ihre scheinbare Unentschlossenheit scheint der Premierministerin zumindest bislang größeren Krach am Kabinettstisch zu ersparen. Denn die Regierung ist in der Brexit-Frage gespalten. Auf der einen Seite steht Schatzkanzler Philip Hammond. Er gilt als vehementer Vertreter eines „weichen Brexits“, der den Zugang zum Binnenmarkt über die Begrenzung der EU-Einwanderer stellt. Auf der anderen Seite steht das Brexit-Trio: Außenminister Boris Johnson, Brexit-Minister David Davis und Handelsminister Liam Fox. Ihr spezielles Problem: Sie sind sich untereinander alles andere als grün.

Auch die britische Wirtschaft hat bisher eher von Mays Versteckspiel profitiert. Weil noch niemand sagen kann, ob Großbritannien tatsächlich aus dem Binnenmarkt ausscheiden wird, gab es bislang keine größeren Verwerfungen. Je länger dieser Zustand der Starre anhält, desto eher können die Brexit-Befürworter die Öffentlichkeit davon überzeugen, dass alle Warnungen vor einem wirtschaftlichen Schock Panikmache waren. Dass der Brexit noch gar nicht begonnen hat, verschweigen sie geflissentlich.

Glück hat May auch in einem anderen Punkt: Die oppositionelle Labour-Partei ist seit der letzten Parlamentswahl nur noch mit sich selbst beschäftigt. Labour-Chef Jeremy Corbyn weiß nur einen kleinen Teil der Fraktion hinter sich und hat nur sehr zurückhaltend für den Verbleib in der EU geworben. Von dieser Seite droht May kaum Gefahr. Selbst wenn das höchste britische Gericht entscheiden sollte, dass das Parlament der Austrittserklärung zustimmen muss.

Die für May gefährlichen Gegner sitzen in den eigenen Reihen. Ihre verwundbarste Stelle: Sie selbst hat kein Mandat der Wähler und regiert nur mit einer knappen Mehrheit. Und obwohl die Premierministerin stets dementiert, wollen die Spekulationen über vorgezogene Neuwahlen nicht enden.

Die Frage ist, wie lange sich die Briten die Hängepartie noch anschauen wollen. Noch im Januar will May eine grundsätzliche Rede zum Brexit halten. Doch ob sie dann endlich anfängt, Klartext zu reden, darf bezweifelt werden.

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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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