Großbritannien vor der Wahl
Blair erwartet Sieg

Großbritannien wählt am Donnerstag ein neues Parlament. Alle Umfragen sagen einen Sieg der Labour-Partei von Premierminister Tony Blair voraus. Entscheidend für die politische Zukunft des Premiers wird jedoch sein, wie deutlich der Stimmenvorsprung zu den Konservativen ausfällt.

HB LONDON. Bei den oppositionellen Konservativen begann am Tag vor der Wahl bereits die Diskussion darüber, ob und wann der Spitzenkandidat Michael Howard nach einer Niederlage zurücktreten sollte. Unterhausabgeordnete der Partei kritisierten anonym in der Presse, Howards Wahlkampf sei zu rechts gewesen, um Wechselwähler auf seine Seite zu ziehen. Eine Hauptforderung Howards ist, den Zuzug von Ausländern stärker zu begrenzen.

Blair wurde bis zum Schluss vom Irakkrieg verfolgt, dem Thema, das seine Strategen aus dem Wahlkampf heraushalten wollten. Angehörige britischer Soldaten, die im Irakkrieg gefallen sind, forderten eine unabhängige Untersuchung zur Rechtmäßigkeit des Krieges.

„Der Premierminister sagt, dass er den Krieg hinter sich lassen will“, sagte ein Sprecher der Angehörigen. „Aber die Familien, die ihre Kinder oder Ehemänner im Irak verloren haben, können ihn nicht einfach hinter sich lassen.“ Blair sagte dazu in einem Fernsehinterview: „Wir haben eine Untersuchung nach der anderen gehabt. Ich fürchte, es ist nicht vernünftig, ewig damit weiterzumachen.“ Auch Blairs parteiinterne Kritiker wie der 80-jährige Ex-Minister Tony Benn vom linken Flügel riefen zu seiner Wiederwahl auf.

Howard warf Blair erneut vor, die Bürger beim Thema Irak und in vielen anderen Fällen belogen zu haben. Doch Umfragen zufolge spielt der Irak für die meisten Wähler nur eine unterordnete Rolle. Wichtiger ist ihnen zum Beispiel eine Verbesserung des Gesundheitswesens. Außerdem profitiert Labour von der guten Wirtschaftslage.

Boulevardzeitungen werben für Blair

Auch große Boulevardzeitungen warben am Tag vor der Wahl für Blair. Die „Sun“ rief ihre Leser dazu auf, ihm zu einer großen Mehrheit zu verhelfen, und brachte Fotos des 51-jährigen mit seiner Frau Cherie. Das Blatt aus dem Murdoch-Konzern hatte bis Mitte der 90er Jahre die Konservativen unterstützt. Der „Daily Mirror“, früher die Zeitung der Arbeiterklasse, brachte ein 4-Seiten-Comic, das mit der Sprechblase endet: „Ich wähle Labour.“

Trotz des absehbaren Sieges von Labour bleibt offen, wie groß die Mehrheit sein wird, mit der die Partei künftig regieren kann. Als gute arbeitsfähige Mehrheit werden 70 bis 80 Sitze angesehen. Eine kleine Mehrheit kann problematisch werden - schließlich hat im jetzigen Parlament ein harter Kern von 30 bis 40 Labour-Abgeordneten in wichtigen Fragen stets gegen die Regierung gestimmt, etwa in der Frage der Erhöhung der Studiengebühren der der Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze. Die jüngste Umfrage sagte für Blair 146 Sitze Vorsprung voraus.

Insgesamt sind 44 Millionen Briten am Donnerstag aufgerufen, über die 646 Unterhaussitze abzustimmen. Dabei gilt das Mehrheitswahlrecht. Das bedeutet, dass in jedem der 646 Wahlkreise nur der Kandidat mit den meisten Stimmen gewählt wird. Alle anderen Stimmen bleiben unberücksichtigt. Schon 40 Prozent aller Stimmen landesweit können deshalb eine große Mehrheit im Parlament ergeben.

Nach Schließung der Wahllokale veröffentlichen die Fernsehsender um kurz nach 23 Uhr MESZ Prognosen, die auf der Befragung von Wählern nach der Stimmabgabe beruhen. Danach gehen nach und nach die Ergebnisse aus den Wahlkreisen ein. Es wird damit gerechnet, dass Gewinner und Verlierer am frühen Freitagmorgen feststehen.

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