Großbritannien wählt in 100 Tagen: Insel-Chaos reloaded

Großbritannien wählt in 100 Tagen
Insel-Chaos reloaded

In 100 Tagen muss sich Großbritannien neu erfinden: Erstmals könnten acht Parteien ins Unterhaus einziehen. Es droht die große Verfassungskrise – und eine mehr als 70 Jahre alte politische Bastion könnte fallen.
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LondonSeit Jahrzehnten waren die Alternativen bei einer britischen Unterhauswahl nicht so scharf gezeichnet – und der Ausgang dennoch so unvorhersehbar. Es ist eine Richtungswahl Links gegen Rechts. Labour-Führer Ed Miliband gegen den amtierenden Tory-Chef David Cameron. 

Es geht um die politischen Kernfragen: mehr öffentliche Ausgaben oder hartes Sparen; höhere Steuern für Reiche oder Steuersenkungen; Staatshilfe für krisengebeutelte Niedrigverdiener oder harte Reformen des Sozialhaushalts und einen schlankeren Staat.

Aber der Wahlkampf wird nicht von diesem Themenkampf der großen Parteien bestimmt, sondern von einem Rudel „Aufrührer Parteien“, die das politische System insgesamt im Visier haben und für Verunsicherung und Ungewissheit sorgen.

Die schottische SNP wollen die Unabhängigkeit und ein Sozialparadies; Ukip will die Einwanderung stoppen und aus der EU austreten; die Grünen wollen ein Bürgergehalt einführen und Einwanderungskontrollen abschaffen.

Niemand rechnet damit, dass Labour oder die Tories eine regierungsfähige Mehrheit gewinnen. Die Vielzahl möglicher Koalitionen ist immens und verwirrend und dürfte das Land nach dem Aufruhr des schottischen Unabhängigkeitsreferendums weiter in verfassungspolitisches Neuland bringen.

Oxforder Akademiker warnen vor „Interimsregierungen über längere Zeiträume“, für die es nicht einmal im „Kabinettsmanual für Regierungswechsel“ Vorschriften gibt, seit das Koalitionsgesetz über fixe Wahlperioden dem Premier das Recht entzogen hat, das Parlament aufzulösen. Möglicherweise muss die hochbetagte Queen knifflige Entscheidungen treffen und wird in die Verfassungskrise hinein gezogen.

Fünf Parteien – Konservative, Labour, Liberaldemokraten, Ukip und die Grünen liegen konstant über fünf Prozent. Die schottische SNP rechnet mit einem grandiosen Wahlerfolg. Ausgerechnet die Partei, die Schottlands Austritt aus dem Vereinigten Königreich betreibt, könnte den Ausschlag geben und das Land mitregieren, dem sie den Rücken kehren will.

Kommentare zu " Großbritannien wählt in 100 Tagen: Insel-Chaos reloaded"

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  • Ukip will die Einwanderung stoppen und aus der EU austreten"

    Die Einschläge für das EU-Regime kommen näher.

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