Großbritannien zahlt weniger
So schrumpft die Milliardenrechnung der EU

Beim EU-Gipfel im Oktober war Großbritanniens Premier Cameron außer sich über eine neue Beitragsrechnung aus Brüssel. 2,1 Milliarden Euro seien fällig, hieß es. Tatsächlich fällt die Zahlung aber wesentlich geringer aus.
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BrüsselDie milliardenschwere Nachzahlung Großbritanniens an die EU könnte sich halbieren. Beim geforderten Betrag von 2,1 Milliarden Euro soll noch der britische Beitragsrabatt angerechnet werden, der nach vorläufiger Einschätzung eine sehr hohe Summe von etwa eine Milliarde Euro erreichen könnte. Das machte der Sprecher von EU-Haushaltskommissarin Kristalina Georgiewa am Montag in Brüssel deutlich. „Der britische Rabatt wurde immer auf Nachberechnungen des Bruttonationaleinkommens angewandt“, so der Sprecher.

Die EU-Finanzminister hatten sich am vergangenen Freitag verständigt, eine Ratenzahlung zuzulassen. Der Rabatt auf EU-Beiträge wird London seit 1984 gewährt, weil das Land vergleichsweise wenig Nutzen aus der gemeinsamen EU-Agrarpolitik zieht. Der Abschlag für die Insel betrug im vergangenen Jahr 4,3 Milliarden Euro. London soll Beiträge nachzahlen, da die Wirtschaft wesentlich besser läuft als erwartet.

Der britische Schatzkanzler George Osborne hatte am Freitag davon gesprochen, nur die Hälfte der Rechnung zahlen zu müssen. Andere Teilnehmer wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagten jedoch, davon stünde nichts in der gemeinsamen Erklärung der Minister.

Die Nachzahlungsforderung hatte Premier David Cameron beim EU-Gipfel vor gut zwei Wochen zu einem Wutausbruch veranlasst. Der Konservative weigerte sich, die Summe pünktlich zum 1. Dezember zu zahlen. Gut 70 Prozent der Einzahlungen ins EU-Budget bemessen sich an der Wirtschaftskraft der Mitgliedsländer.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @ Cal Andersen „Warum nur vertreten unsere Regierungsmitglieder unsere Interessen nicht?“

    Das tun sie doch, schließlich wurden sie gewählt und wieder gewählt. Solange der Michel die Systemparteien immer wieder wählt, machen die genau so weiter. Wählen Sie etwas anderes, es gibt eine Alternative.

  • Da es sich nur um Durchlaufposten - von GB nach D u.a. etwa - handelt, wird unser tapferes Schäublein schon dafür sorgen, daß der deutsche Steuerzahler wie gewohnt nochmals bluten wird, weil auf die Ansprüche gegen die EU unsererseits verzichtet wird.

    Natürlich gibt es auch noch andere Mittel zur Beschädigung der Deutschen - der Finanzminister wird sie kennen.

    So kann die EU uns einen weiteren Haufen Geld kosten - die Politik will es so, jedenfalls unsere.

    Warum nur vertreten unsere Regierungsmitglieder unsere Interessen nicht?
    Bekommen sie Geld dafür?
    Haben sie keine Lust oder ist es einfach egal?

  • UK zahlt 2,1 Mrd. in 2015 hätte UK ohnehin einen Sonderrabatt über c.a. 1 Mrd. bekommen, wenn man das saldiert, kann man dies so darstellen, als sei die Zahlung um 1 Mrd. reduziert worden. Stimmt aber nicht. Die "Formulierung" wonach es eine Reduzierung gibt hat der Schatzkanzler Osborne "erfunden". Es gilt zu befürchten, dass es sich dabei nicht um sematische Fingerspiele handelt, sonder dass der Herr dies tatsächlich so sieht.
    In welchem Zustand die EU ist, kann man daran sehen, dass man jetzt "Regeln" ausarbeitet, als sein die Nachzahlungen die seit über einem Jahrzent laufen etwas Neues, was man jetzt plötzlich regeln müsste.
    Tatsächlich scheint es so zu sein, dass die EU ihr eigenes administratives Chaos nicht mehr versteht.
    Die nächste Runde in der UK Nachzahlungsdebatte wird sich wahrschinlich auf einen Relativierungsversuch des UK BIP beziehen, welches ja durch die Einbeziehung von Erlösen aus Prostitution und Drogenhandel "erhöht" wurde. Das tut zwar in der Relation BIP / Schulden gut, war aber wohl nicht so gedacht, daaa dies in Brüssel Mehrforderungen auslöst. "Der Fluch der bösen Tat" !

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