Großbritanniens Parteien
Labour rockt

In London wird wieder heftig über eine vorgezogene Wahl noch in diesem Herbst spekuliert. Sollte es tatsächlich dazu kommen, hätte Labour die besten Chancen auf einen Erfolg. In Umfragen liegt die Partei von Premier Gordon Brown deutlich vor den Konservativen. Doch die Bankenkrise bringt für Brown auch Unsicherheiten.

LONDON. „Labour rockt“, schrieben die Zeitungen, denn die Partei von Premier Gordon Brown kletterte mit Beginn der Krise um die Bank Northern Rock in Umfragen wieder auf über 40 Prozent. Die Konservativen fielen abgeschlagen auf 32 Prozent zurück.

Labourstrategen, so Spekulationen, hätten den 25. Oktober als den Tag in den Kalender eingetragen, an dem die Tories „ausradiert werden“. Am Montag hält Brown seine Rede vor dem Labourparteitag in Bournemouth – ein guter Anlass, den Wahltermin zu verkünden. Er könnte aber auch eine Woche später, auf dem Höhepunkt des Tory-Parteitages, zur Königin fahren und um Auflösung des Parlaments bitten. „Die Opposition auszulöschen, war Browns oberste Priorität, seit er die Macht übernahm. Er ist spektakulär erfolgreich damit“, schreibt das Wochenmagazin „New Statesman“.

Aber die Krise des Baufinanzierers Northern Rock bringt für Brown auch neue Unsicherheiten. Die internationale Kreditklemme könnte weitere Banken in Schieflage bringen, den britischen Wirtschaftsboom abwürgen und einen Kollaps auf dem überhitzten Immobilienmarkt auslösen. Zudem führt die Diskussion über die Ursachen der Krise und die Rolle der Bank of England unweigerlich zu einer Neubewertung von Browns Amtszeit als Schatzkanzler. Daher könnte es für Brown in den nächsten Wochen schwieriger werden, die Tagesordnung weiter so zu diktieren wie bisher. „Niemand will einen Wahlkampf in einer so schwer abschätzbaren Situation“, sagt der Politologe John Curtice. Vor allem ist unklar, welche psychologischen Auswirkungen die erste britische Bankenpanik seit dem 19. Jahrhundert haben wird.

Die Liberaldemokraten nutzten ihren Parteitag bereits für einen Frontalangriff auf Browns Wirtschaftspolitik. „Die Dämme sind gebrochen, nun strömt das Wasser herein“, sagte Wirtschaftssprecher Vincent Cable. „Gier und Spekulation überbezahlter Executives, eine laxe Bankenaufsicht und eine selbstzufriedene Regierung“ hätten die Krise ausgelöst. Als weitere Brown-Sünden nannte Cable das überkomplizierte Steuersystem, die wachsende Einkommenskluft, lockere Steuern für Superreiche, den 6,6 Mrd. Pfund teuren Irakkrieg und den Zustand des teuer finanzierten Gesundheitsdienstes.

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