Großdemo in der Türkei
Hunderttausende gehen in Istanbul auf die Straße

In Istanbul steigt heute die größte Kundgebung nach dem gescheiterten Putschversuch. Auch die Oppositionsführer wollen teilnehmen. Hauptredner bei der „Demokratie- und Märtyrer-Versammlung“ ist Präsident Erdogan.

IstanbulZu einer Großkundgebung in Istanbul gegen den Putschversuch in der Türkei vor drei Wochen werden am Sonntag nach einem Aufruf von Präsident Recep Tayyip Erdogan Hunderttausende Teilnehmer erwartet. Bei der „Demokratie- und Märtyrer-Versammlung“ wird Erdogan der Hauptredner sein. Es ist die bislang größte Veranstaltung dieser Art seit dem Umsturzversuch vom 15. Juli.

Auf Einladung des Präsidenten haben auch Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu von der Mitte-Links-Partei CHP und der Vorsitzende der ultranationalistischen MHP, Devlet Bahceli, ihre Teilnahme angekündigt. Nicht eingeladen wurde die pro-kurdische HDP, die sich ebenfalls gegen den gescheiterten Militärputsch gestellt hatte. Erdogan wirft der zweitgrößten Oppositionspartei im Parlament Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor.

Erdogan hat unterdessen Vorwürfe zurückgewiesen, dass er in Folge des Putschversuches nach Alleinherrschaft strebe. „Ich bin kein Despot oder Diktator“, sagte Erdogan dem Sender Al-Dschasira nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am späten Samstagabend. Er würde kein Recht ausüben, das ihm vom türkischen Volk nicht zuvor verliehen wurde. Der Staatschef übte erneut scharfe Kritik an westlichen Staaten. „Der Westen hat uns nicht gezeigt, dass er gegen den Putsch ist“, sagte Erdogan. „Ihr Schweigen ist unentschuldbar.“

Die Großkundgebung wird seit Tagen intensiv beworben. Ein Plakat zeigt einen Zivilisten, der mit erhobener Hand einen Putschisten-Panzer stoppt. Bei der Demonstration soll der mutige Widerstand von Bürgern gegen die Umstürzler aus den Reihen der Armee und der Sieg der Demokratie in der Türkei gefeiert werden.

Zugleich soll der nach Regierungsangaben mindestens 239 Opfer gedacht werden, die durch die Putschisten getötet wurden. Zur Zahl der getöteten Umstürzler macht die Regierung seit längerem keine Angaben mehr. Zuletzt war in dem Zusammenhang von 24 Toten die Rede gewesen.

Seit dem Putschversuch sucht Erdogan den Schulterschluss mit der CHP und der MHP. Zugleich geht die Regierung hart gegen Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen vor, den Erdogan für den Umsturzversuch verantwortlich macht. Nach Regierungsangaben wurden mehr als 60.000 Staatsbedienstete suspendiert oder entlassen. Mehr als 13.000 Verdächtige sind in Untersuchungshaft.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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