Großdemo in Tokio Japan fährt ersten Atommeiler an

Mehr als ein Jahr nach der verheerenden Atomkatastrophe in Fukushima ist erstmals wieder ein japanisches Kernkraftwerk hochgefahren worden. Der Reaktor 3 des Meilers Ohi ging am Sonntag ans Netz. Vor den Toren des Atomkraftwerkes protestierten Dutzende Demonstranten mit Sprechchören und Tänzen gegen die Wiederinbetriebnahme des Reaktors.
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Anti-Atom-Demonstranten bei ihrer Sitzblockade in Japan. Quelle: dapd

Anti-Atom-Demonstranten bei ihrer Sitzblockade in Japan.

(Foto: dapd)

TokioRund 200 Aktivisten blockierten die Zufahrt zu dem Meiler-Gelände. "Nein zum Wiederanfahren", riefen die Demonstranten laut Medienberichten, während sie mit Trommeln ihrer Forderung Gehör zu verleihen versuchten. Bereits Samstagnacht hatten rund 650 Menschen vor der Atomanlage demonstriert. Die Bereitschaftspolizei sicherte das Atomkraftwerk im Südwesten des Landes.

Dem Betreiberkonzern Kansai Electric Power Co. zufolge soll der Meiler von Mittwoch an wieder Strom produzieren. Es ist der erste Reaktor, der wieder ans Netz gehen soll. Für Mitte Juli ist die Wiederinbetriebnahme eines weiteren Reaktors in Ohi geplant.

Nach dem Unglück im vergangenen März hatte Japan alle 50 betriebsbereiten Reaktoren für Sicherheitsüberprüfungen vom Netz genommen. Seitdem ist die öffentliche Meinung über ihre Wiederinbetriebnahme gespalten. Am Sonntag sollte zudem eine groß angelegte Demonstration in einem Park in der Hauptstadt Tokio organisiert werden, um gegen die erneute Inbetriebnahme zu protestieren und den Rücktritt des Ministerpräsidenten Yoshihiko Noda zu fordern.

Obwohl große Demonstrationen und Protestaktionen in Japan sehr selten sind, trafen sich an Freitagen regelmäßig mehrere Tausend Atomkraftgegner vor der dem Sitz des Ministerpräsidenten und skandierte Parolen wie "Nein zur nuklearen Inbetriebnahme". Die Protestbewegung wurde von den etablierten Medien lange Zeit ignoriert, gewann im ganzen Land dennoch an Zulauf, da Aktivisten neue Medienplattformen wie den Kurznachrichtendienst Twitter nutzten, um sich zu organisieren. Auch Nobelpreisträger Kenzaburo Oe oder der Komponist Ryuichi Sakamoto, der die Melodie für den Film "Der letzte Kaiser" komponierte, schlossen sich der Bewegung an.

Der Regierungschef ordnete im vergangenen Monat an, die Reaktoren drei und vier des Atomkraftwerks Ohi wieder hochzufahren. Die Regierung begründete die bevorstehende Wiederinbetriebnahme mit befürchteten Energieengpässen wegen des steigenden Strombedarfs für Klimaanlagen im Sommer. Bis zum Unglück von Fukushima hatte Japan etwa ein Drittel seines Stroms aus Atomkraft bezogen. Japans Ölverbrauch ist seitdem stark gestiegen.

Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi fiel am Samstag das Kühlsystem für die verbrauchten Brennstäbe im Reaktor 4 aus, wie der Betreiber Tepco mitteilte. Am Sonntag sei ein Ersatzsystem installiert worden. Innerhalb von 70 Stunden müsse die Kühlung nun repariert werden, sonst steige die Temperatur und Strahlung trete aus, hieß es in der Mitteilung von Tepco.

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10 Kommentare zu "Großdemo in Tokio: Japan fährt ersten Atommeiler wieder an"

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  • Ach
    @Energielite
    Sie sind weder das eine, noch das andere. Verschonen Sie uns doch mit Ihrem Halbwissen und versuchen sie sachlich zu bleiben. Meinen Beitrag haben Sie sicherlich nur überflogen und nicht gelesen, sonst würden Sie nicht entsprechend antworten. Wie kommen Sie denn darauf, dass ich in einem Hotel wohne?
    Nein, Sie dürfen mir glauben, dass ich mit offenen Augen durch dieses Land gehe und die Ängste der Bevölkerung durchaus verstehen kann. 80% der Japaner sind inzwischen gegen das Hochfahren der AKWs. Japan ist das am stärksten Erdbeben ausgesetze Land der Welt. Und das macht die ganze Geschichte noch gefährlicher, als sie ohnehin schon ist. Die Brennstäbe in Block 3 in Daiichi liegen zwar im Abklingbecken, aber oberhalb des Sicherungsbehälters. Ein erneutes Beben, was nicht sehr unwahrscheinlich ist, könnte die Brennstäbe aus dem Becken stürzen lassen und dann, ich möchte nicht daran denken, liegen sie an der frischen Luft. Niemand könnte sich ihnen nähern. Ich glaube, das wäre erst der Super-GAU. Wir haben hier in Tokyo mit schwarzer Asche zu tun, die weit über den Grenzwerten fröhlich vor sich hin strahlt. Heute hat es geregnet und ich habe am Boden Gammastrahlung nur knapp unter den Grenzwerten gemessen.
    Was wollen Sie denn noch, weiter der Atomkraft hinterherlaufen? Ich will Sie, weiß Gott nicht überzeugen, aber vielleicht zum Nachdenken bewegen. Die ehemals atomfreundlichen Japaner haben es bereits getan.

  • Und Japan hat nicht nur diesen Winter immer wieder mit Großflächigen Stromabschaltungen leben müssen , das können sie natürlich nicht bemerkt haben , Hotels haben ja eigene Dieselgeneratoren die sehr schnell für ihr wohlergehen sorgen .

  • Ihr Kommentar zeigt, wie wenig sie über das Land wissen,
    ------------------
    Naja.... Ich bin halt keine Deutsche Energieelite !

  • @Energieelite
    Ihr Kommentar zeigt, wie wenig sie über das Land wissen, über das Sie schreiben.
    Nur 30% des Strombedarfs wurden durch Atomkraftwerke ins Netz eingespeist. Ein erhöhten Strombedarf gab es auch im Winter, aber das war in Japan kein Problem. Wenn man sieht, wie die Energie in Japan zum Fenster hinaus geblasen wird, kann man sich nur wundern, dass Japan den Winter ohne AKWs überlebt hat. Beheizte Klobrillen, Mega Lichtwerbungen, Städte die dreimal heller sind als in DE, schlecht oder überhaupt nicht isolierte Häuser mit Einzelverglasung, das sind die Energiefresser zum einen, die Industrie, die genauso wenig einspart zum anderen.
    Und dabei wäre es gar nicht so schwer etwas zu unternehmen. Eine Stadt, z.B. Tokyo, erneuert sich alle 15 bis 30 Jahre nahezu komplett. Fänge man jetzt an Vorschriften zur Wärmedämmung zu verordnen, könnte Japan nach und nach sehr viel Energie einsparen.
    Ich bin zur Zeit in Japan und war am letzten WE auch in Ohi. Auf der Reise von Tokyo nach Ohi habe ich eine einzige Windkraftanlage gesehen, obwohl die Reise über eine lange Strecke an der Küste entlang führte. Mit Verlaub, bei einer Küstenlänge von 9.390 km wird sich doch mehr als ein Platz für einen Windpark finden lassen.
    Japan hat die Wahl und das ist Fakt!

  • Wer solche Forderungen stellt , muss die frage beantworten wie man Japan mit Energie versorgen will , haben sie sich darüber mal Gedanken gemacht ?
    Haben sie natürlich nicht , sie fordern einfach nur .
    Das ist sehr primitiv !!!

  • *Demonstration und Petition gegen Neustart des AKWs Oi in Japan*
    Seit März 2012 versammeln sich jeden Freitag Abend mehr und mehr Menschen vor dem Amtssitz des Regierungsschefs Yoshihiko Noda in Tokio, um gegen den Neustart des Reaktors Oi in der Präfektur Fukui zu protestieren. Ebenfalls
    fand eine Demonstration mit (laut dem Organisator) 150'000 Menschen in Tokio statt, eine der bisher grössten manifestationen gegen Atomkraft in Japan. Sie fordern einen endgültigen Atomaussstieg in Japan. Die Demos werden "Hydrangea revolution" (= Hortensien-Revolution) genannt, in Bezug zur "Jasmine-Revolution" im Mittleren Osten von letztem Frühling.
    *Online-Petition*
    Wir möchten die Hydrangea-Revolution in Japan unterstützen und gegen den Entscheid der Japanischen Regierung, die AKWs in Oi wieder zu starten,protestieren. Bitte signieren Sie die Online-Petition und senden Sie diese weiter an Freunde.
    Achtung: Abgabetermin ist bereits am 5.7.12! Bitte schnell reagieren!
    http://chn.ge/MZo8Jb
    *Kopiervorlage für Petition*
    Petition und Infos zum Kopieren:
    http://bit.ly/N2rXgG (Deutsch)
    http://bit.ly/MXV4VY (Japanish)

    *Demonstration in Bern:*
    **
    *Freitag, 6.7.2012, 15.00h Start beim Treffpunkt im Hauptbahnhof in Bern.
    Anschliessend begeben wir uns zu Fuss zur Japanischen Botschaft in Bern.
    * Bitte Plakate, Banner und Hortensien mitbringen.
    Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung und die Verbreitung dieser Information!

  • Japan ist ein Industrie und Hochtechnologie Land ,
    dort läuft ohne Elektroenergie gar nichts !
    Sie werden alle Atomenergieanlagen( die technisch allen Anforderungen gerecht werden ) früher oder später sowieso wieder zuschalten , Japan hat keine andere Wahl .
    Und das ist richtig so !!!

  • Die Japaner brauchen Elektroenergie für ihre Klimaanlagen im Sommer und für ihre Heizungen im winter , sie haben weder Kohle noch gas in nennenswerten mengen , Japan ist von Gebirgen durchzogen , sie haben dort keinen Platz um die wenigen nutzbaren Flächen auch noch mit solaranlagen zuzupflastern deren Effektivität eher fragwürdig ist .
    Natürlich kann Japan nur Strom durch Atomenergie gewinnen , objektiv gibt es keine andere Möglichkeit !

  • Wenn Japan Energie nicht geschenkt bekommt muss Japan seine Energie selber produzieren .
    Recht so Japan !!!

  • Die Arbeitsdrohnen wachen langsam auf...

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