Große Unterstützung für Nationalpartei
Schotten träumen von Unabhängigkeit

Die schottische Nationalpartei wirbt für die Trennung von London – und liegt vor der Parlamentswahl klar vorn. Premier Blair wird schon nervös, aber seine Warnungen werden in den Wind geschlagen. Die Schotten haben ein neues Selbstbewusstsein entwickelt: Ihr Öl soll sie unabhängig machen.

LONDON. Tony Blair warnte die Schotten vor einem „wahnwitzigen Risiko“: Niemand solle bei der schottischen Parlamentswahl am 3. Mai die schottische Nationalpartei SNP wählen, nur um ihm einen Denkzettel zu geben, sagte der Regierungschef am vergangenen Wochenende. „Ich werde dann weg sein“, fügte er an. „Aber die Konsequenzen einer SNP-Regierung für Schottland werden vier Jahre bleiben – oder für immer, wenn es nach der SNP geht.“ Damit spielte Tony Blair auf das Ziel der Nationalpartei an: Ein unabhängiges Schottland für seine gut fünf Millionen Einwohner.

Die Schotten dürften die Warnung aber in den Wind schlagen. Labour steckt im Umfragetief. Die britische Regierungspartei steht bei Parlamentswahlen in Wales und Kommunalwahlen in England vor einer beispiellosen Schlappe. Doch in Schottland steht mehr auf dem Spiel: Labours seit 50 Jahren fast ungebrochene Dominanz, die Machtbasis des wahrscheinlichen nächsten Premiers Gordon Brown und 200 Jahre Vereinigtes Königreich.

SNP-Chef Alex Salmond hat alle Aussichten, als Chef der stärksten Partei die nächste schottische Regierung zu bilden. Die jüngste Meinungsumfrage, letzte Woche im „Herald“ veröffentlicht, gibt der SNP einen Vorsprung von elf Prozentpunkten. Im Durchschnitt der Umfragen rangiert die SNP bei rund 36 Prozent und damit sechs Punkte vor Labour.

Sollte er gewinnen, will Salmond die Schotten gegen Ende seiner ersten Amtsperiode per Referendum um ein Mandat für Unabhängigkeitsverhandlungen mit London bitten. Labourpolitiker fürchten, dass er als Regierungschef Konflikte mit London provozieren würde, um die Argumente für die Unabhängigkeit zu stärken. Schottlands amtierender Labour-Regierungschef Jack McConnell prophezeit für den Fall eines SNP-Sieges „Konflikt, Spaltung, Chaos und Kosten“. Für den Aufschwung der Nationalpartei werden viele Gründe genannt: der Hass auf Blair und den Irakkrieg, Enttäuschung über McConnell, der immer wieder von Gordon Brown, dem eigentlichen Hausherrn in Schottland, zurückgepfiffen wurde oder das 1998 eingeführte Verhältniswahlrecht, das den Wählern Raum zum Taktieren gibt.

Entscheidender ist aber das neue Selbstbewusstsein der Schotten. „Das traditionelle Argument, dass Schottland ohne Hilfe Englands nicht überleben kann, zieht nicht mehr. Die Menschen müssen nur auf die Ressourcenlage sehen und merken, dass es nicht stimmen kann“, erklärt die Kolumnistin der Zeitung „The Scotsman“, Joyce McMillan.

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