Großeinsatz in Paris
„Ich konnte das Mündungsfeuer sehen“

Spezialkräfte mit Sturmhauben, Schüsse, Explosionen, Tote: Auf den Straßen des Vororts Saint-Denis im Norden von Paris spielten sich bei der Jagd nach Terrorverdächtigen bürgerkriegsähnliche Szenen ab. Ein Ortsbesuch.
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ParisIn Saint-Dénis hat die Polizei weiträumig alles abgesperrt. Metro, RER, Tram, Bus – nichts fährt mehr. Bereits mehrere hundert Meter von dem Ort entfernt, wo sich stundenlang einer oder mehrere der vermutlichen Terroristen verschanzt hatten sollen, kommt man auch zu Fuß nicht mehr weiter. Mittlerweile hat die Polizei den Einsatz für beendet erklärt. Das Innenministerium bestätigt, dass dabei zwei Menschen getötet wurden.

„Zurück, Monsieur, gehen Sie bitte zu ihren Kollegen“, sagt ein Polizist in dicker Schutzweste. Seit dem frühen Morgen sind auch Soldaten hier stationiert, die mit großen Lastwagen herangeschafft worden sind. Junge Männer, die unsicher um sich blicken und sich an ihre automatischen Waffen klammern. Immer wieder rasen Polizeiautos und Krankenwagen vorbei.

Die Nachrichten sind völlig verwirrend. Mal ist von drei Toten die Rede, der Staatsanwalt bestätigt aber nur einen Toten. Es ist eine Frau, die sich in die Luft gesprengt habe – in einer Wohnung mitten in diesem Vorort von Paris. Nicht einmal einen Kilometer von hier haben am Freitag drei Attentäter ihre Sprenggürtel gezündet. Hat der Planer der Attentate, Abdelhamid Abaaoud, sich tatsächlich hier versteckt? Die Polizei bestätigt das nicht, selbst wenn der seit dem frühen Morgen laufende Einsatz ihm gilt. Der Staatsanwalt bestätigt allerdings fünf Festnahmen. Ein oder mehrere Terroristen waren noch in einer Wohnung Rue de la République/Ecke rue Corbillon verschanzt.

100 Meter vor der Basilika von Saint-Denis, in der die französischen Könige begraben liegen, hat sich eine ganze Barriere von Fernsehkameras aufgebaut. Lokale Bevölkerung mischt sich mit Journalisten aus allen Ländern. Vor dem Rathaus hängt ein großes Transparent, das nach den Anschlägen vom Freitag aufgehängt wurde: „Die beste Antwort auf die Barbarei ist, gemeinsam dagegen zu stehen.“

Während die Straßen sonst menschenleer sind, sammeln sich auf dem Platz vor der Basilika kleine Gruppen. Nur wenige Personen wollen sprechen, die meisten drehen sich weg, entweder wortlos oder mit einer Bemerkung wie „Ich bin nicht von hier“.

Einer aber redet bereitwillig, er heißt Catalin Stetiu, ein 25-jähriger Rumäne. „Ich wohne genau in dem Haus, in dem die Terroristen gefunden wurden, Rue de la République 48“, sagt er. „Etwa 20 nach vier heute morgen, da ging die Schießerei los, Hunderte von Schüssen. Ich habe mich auf den Boden geworfen.“

Die Schüsse seien aus dem Haus gegenüber gekommen, und die Helfer der Attentäter hätten sich in seinem Gebäude im dritten Stock verschanzt. Er lebe im ersten. Der 25-jährige Rumäne sagt, er habe eine laute Explosion gehört. „Eine Viertelstunde lang wurde nur geschossen, tak tak tak tak, dann Magazinwechsel und dann haben sie weiter geschossen. Ich konnte das Mündungsfeuer sehen.“ Aus dem Haus gegenüber habe die Polizei geschrien: „Auf den Boden, auf den Boden.“

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„Mach ruhig weiter, rede, rede!“

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