Großer Nachholbedarf, starkes Wachstum und solide Politik sorgen für attraktiven Standort
Investoren profitieren vom Europa-Kurs der Türkei

Der Düsseldorfer Unternehmer Josef Klüh freut sich schon auf gute Geschäfte: „Die Wirtschaftsdaten sind derartig beeindruckend, dass wir an eine weitere positive Entwicklung glauben“, sagt der Chef des Dienstleisters Klüh Service Management. Das Unternehmen ist seit November mit dem Einstieg bei der Istanbuler Deniz Professional Service in der Türkei präsent.

ISTANBUL. Klüh steht für viele deutsche Investoren, die parallel zur Annäherung der Türkei an die EU das Land entdeckt haben. Seit 1995 habe sich die Zahl deutscher Tochtergesellschaften oder Joint Ventures von 500 auf mehr als 1 200 erhöht, jedes Jahr kommen 50 dazu, sagt Marc Landau, Geschäftsführer der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer in Istanbul.

Glaubt man der Regierung, rollt auf das Land eine Flut ausländischer Investitionen zu. „Wir rechnen bis 2007 mit 15 Mrd. Dollar“, sagt Vize- Premier Abdullatif Sener. In diesem Jahr soll der Zufluss nach offiziellen türkischen Angaben von 1,2 auf drei Mrd. Dollar klettern. Die international vergleichbaren Statistiken der Unctad weisen jedoch deutlich niedrigere Zahlen aus.

Das Interesse der Investoren deutet darauf hin, dass der „kranke Mann am Bosporus“ gesundet. Die Folgen der Finanzkrise von 2001 sind fast überwunden, die auf Druck des Internationalen Währungsfonds (IWF) eingeleiteten Reformen greifen. Ankaras neuer Dreijahresplan zeichnet ein optimistisches Bild: Das Wachstum soll 2004 knapp zehn Prozent erreichen. Die Inflationsrate, 2001 noch bei 70 Prozent, soll 2007 auf vier Prozent sinken.

Auch der Rechtsrahmen hat sich verbessert. Das Parlament hat am Montag die von der EU geforderte Justizreform abgeschlossen. Ein Investitionsförderungsgesetz stellt in- und ausländische Investoren gleich, vereinfacht die Genehmigungsverfahren und verspricht besseren Schutz vor Enteignungen. „Ein sehr geglücktes Gesetz, das internationalen Standards entspricht“, lobt Markus Slevogt, Repräsentant der Deutschen Bank. Allerdings müsse die Verwaltung noch umdenken. EU-Beitrittsverhandlungen könnten „wie ein Katalysator wirken und für eine bessere Grundstimmung“ sorgen. Selbst die Politik wirkt stabilisiert: nach den wackligen Koalitionen der vergangenen 15 Jahre regiert Ministerpräsident Tayyip Erdogans Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei seit zwei Jahren mit Zweidrittelmehrheit.

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