Großes TV-Interview
Hollande verpasst seiner Familie öffentlich einen Maulkorb

In einem TV-Interview hat der französische Präsident François Hollande gesagt, er habe seine Familie gebeten, privates und öffentliches Leben zu trennen. Teile seiner Familie hatten sich zuletzt öffentlich gestritten.
  • 1

ParisKnapp, aber bestimmt kommentierte Frankreichs Präsident François Hollande den bisher größten Eklat seiner zweimonatigen Amtszeit: „Ich bin für eine klare Abgrenzung zwischen öffentlichem und privatem Leben.“ Seinen Familienangehörigen habe er gesagt, dass sie „peinlich genau“ Privates auch Privat halten sollten. Der Staatschef ging damit just am französischen Nationalfeiertag im Fernsehen erstmals öffentlich auf die Twitter-Affäre ein, mit der seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler für Empörung gesorgt hatte.

Die 47-jährige First Lady hatte mitten im Parlamentswahlkampf klar Position gegen Hollandes Ex-Lebensgefährtin Ségolène Royal bezogen, die im westfranzösischen La Rochelle einen Parlamentssitz erobern wollte. Per Kurzbotschaftendienst Twitter attackierte Trierweiler die Mutter von Hollandes vier Kindern und unterstützte deren Gegenkandidaten: „Nur Mut“, schrieb die Journalistin dem Abtrünnigen, den die Sozialisten wegen seiner Kandidatur gegen Royal aus der Partei ausgeschlossen hatten. Royal scheiterte am Ende in La Rochelle, obwohl selbst Hollande sich demonstrativ für sie stark gemacht hatte.

Seitdem hing nicht nur der Haussegen im Elysée-Palast schief, ganz Frankreich diskutierte auch über die angemessene Rolle für eine First Lady. Hollande soll nach Medienberichten tagelang nicht mehr mit seiner Lebensgefährtin geredet haben. Trierweiler war seither bei keinem wichtigen, öffentlichen Auftritt des Präsidenten mehr dabei, auch nicht beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang Juli in Reims.

Die vier Kinder, die Hollande gemeinsam mit Ex-Partnerin Royal hat, verweigern nun den Kontakt zur First Lady. Sohn Thomas wurde vom Magazin „Le Point“ mit der Einschätzung zu Trierweiler zitiert: „Ich wusste, dass von ihr eines Tages etwas kommen könnte, aber nicht ein solcher Hammer. Das ist unfassbar.“ Bei einem Abendessen habe Vater Hollande versprochen, dass er sich zu der Twitter-Botschaft öffentlich äußern und die Rolle der Première Dame klarstellen werde. Im Gegenzug solle die Familie aber nicht weiter Öl ins Feuer gießen.

Die erst diese Woche verbreiteten Aussagen des Sohnes, der einen Teil davon bestritt und versicherte, sie seien „aus dem Zusammenhang gerissen“, lösten erneut erheblichen Wirbel aus. So hatte der 27-Jährige laut „Le Point“ auch kritisiert, dass Trierweiler das kaputt gemacht habe, was sein Vater mühsam aufgebaut habe: Sein Image als „normaler“ Präsident, der anders als sein konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy nicht ständig mit seinem Privatleben in der Presse präsent sein wollte.

Nun versicherte Hollande in dem Fernsehinterview am Samstag, dass sich ein Vorfall wie die Twitter-Affäre nicht wiederholen werde. Die Trennung von Privatem und Politik werde von seinen Familienangehörigen strikt eingehalten werden, hob er hervor. „Die Franzosen wollen, dass die Sachen klar sind, dass der Staat von dem geführt wird, den sie gewählt haben und dass es keine Vermischung gibt.“

Die Rolle von Trierweiler, die als First Lady fulminant gestartet war, stutzte der Präsident gleich auch noch zurecht. Sie wolle weiter beruflich tätig sein, sagte Hollande. „Ich verstehe das. Ansonsten wird sie an meiner Seite dabei sein, wenn es das Protokoll erfordert.“

Die Journalistin, die nach Hollandes Wahl angekündigt hatte, nicht nur „Dekoration“ für den Präsidenten sein zu wollen, sondern eigenständig ihr Leben weiterführen zu wollen, trat am Nationalfeiertag zwar erstmals seit langem wieder öffentlich auf. Die elegante Blonde hielt sich aber auffällig im Hintergrund. Es sei nicht einfach für „Valérie“, den Platz an seiner Seite einzunehmen, sagte Hollande. Trocken fügte er aber hinzu: „Es muss Regeln geben.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Großes TV-Interview: Hollande verpasst seiner Familie öffentlich einen Maulkorb"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Leider schreibt das HB keinen Artikel über das Beschneidungs-Urteil, deshalb kommentiere ich mal hier.

    "Kölner Urteil erschüttert Existenz jüdischer Gemeinden"
    Berliner Morgenpost - ‎vor 1 Stunde‎

    Der Zentralrat der Juden fühlt sich vom Kölner Urteil diskriminiert. Generalsekretär Kramer warnt vor Folgen für die jüdischen Gemeinden. ..."

    Also warum muss ein Junge ohne Betäubung so einen qualvollen Einschnitt in seinem Leben haben ? Warum muss ein Tier ohne Betäubung geschlachtet werden ? Als aufgeklärter Deutscher muss man doch nicht Schmerzen mit Religiösität begrunden.

    Wir sind doch in Deutschland nicht bei Schmerzen - Blut - Gott Verehrungen. Religion ist vor allem LIEBE und man trägt sie still im Herzen. Das ist alles. Mehr braucht man nicht.

    Schmerzen sähen Agression aus der Hass werden kann.

    Im Zivilprozess-recht und bei Schlichtungen wird schon die Scharia erlaubt in Deutschland. Mit allen altertümlichen Auswüchsen des Islam sind wir konfrontiert - und geben überall fatalerweise aus falscher Toleranz nach. Die Parallel-Gesellschaften werden immer grösser.

    Eigentlich wollten wir den Islam inspisieren sich zu wandeln und seine argessiven, rückständigen Seiten abzulegen. Weit gefehlt, mit SPD und Grünen, ja sogar mit CDU und Merkel untergraben sie unsere westliche Lebensweise immer weiter.

    Ich denke, sie wollen den Islam in ganz Europa und dann den Sozialismus als nützliche Erweiterung draufsetzen. Das ist das Europa von morgen - islamisch/sozialistische EU.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%