Großritannien
Brown verscherbelt britisches Familiensilber

Der britische Premier Gordon Brown will ein hartes Sparprogramm vermeiden und deshalb Nationalvermögen in Höhe von 16 Milliarden Pfund verkaufen, um der wachsenden Haushaltslücke Herr zu werden. Es wäre die größte Welle von Privatisierungen seit den 1980er Jahren.
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LONDON. Die britische Labourregierung will die wachsende Haushaltslücke dem Verkauf von Nationalvermögen stopfen. Premier Gordon Brown kündigte gestern vor Wirtschaftsexperten in London an, er wolle Verkäufe im Wert von 16 Mrd. Pfund realisieren. Das wäre die größte Welle von Privatisierungen seit den 1980er-Jahren.

Für 2009 erwarten die Briten ein Haushaltsdefizit von mindestens 175 Mrd. Pfund, was fast 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Das gesamte britische Nationalvermögens beläuft sich auf mehr als 220 Mrd. Pfund. Der Großteil ist Grundbesitz, darunter Schulsportplätze, Friedhöfe, Rathäuser und Bibliotheken.

Als Anwärter für baldige Verkäufe nannte Brown die Hochgeschwindigkeitsverbindung zum Kanaltunnel, "High Speed 1", die Themse Brücke und den Themse Tunnel bei Dartford östlich von London. Außerdem sollen Studentenkredite verkauft werden, von denen die Regierung im vergangenen Jahr schon einen Block von sechs Mrd. abstoßen wollte; zusätzlich der 35-Prozent-Regierungsanteil an dem Uranaufbereiter Urenco und das Wett-Konsortium "Tote", dessen Privatisierung seit 2001 im Wahlprogramm von Labour steht.

Brown will mit seinem Vorstoß ein Alternativszenario zur rigorosen Sparpolitik der Konservativen entwickeln. Der Premier attackierte gestern den politischen Gegner: "Einige Leute wollen die fiskalischen Stimuli schon zurückziehen, obwohl die Wirtschaft noch in Schwierigkeiten ist. Das würde die wirtschaftliche Erholung gefährden." David Blanchflower, ehemaliges Mitglied des Währungsausschusses der Bank von England, hatte gewarnt, die Sparpläne der Tories werde die Arbeitslosenzahl auf fünf Millionen ansteigen lassen.

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