Großunternehmen wägen alle Risiken ab, selbstständige Unternehmer die Chancen
Mittelständler im Vorteil

In den vergangenen Jahren hat sich in Russland unter Präsident Wladimir Putin viel verändert. Doch für ausländische Investoren belibt unklar, ob sie von den Initiativen und Veränderungen der Rahmenbedingungen profitieren.

HB MOSKAU. Mit einer beispielslosen Offensive versuchen zur Zeit Ausschüsse, Verbände und Handelskammern, deutschen Mittelständlern den Investitionsstandort Russland schmackhaft zu machen. Als Berater in Russland fragt man sich allerdings irritiert, welche einschneidenden Veränderungen des Investitionsklimas eine solche Offensive begründen könnten.

Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren in Russland unter Präsident Wladimir Putin viel verändert. Doch ist bei vielen politischen Initiativen und Veränderungen der Rahmenbedingungen umstritten, ob ausländische Investoren davon auch wirklich profitieren. Das gilt zum Beispiel für die zunehmende Machtkonzentration beim Präsidenten und seiner Umgebung, die auch in Russland zunehmend kritisch gesehen wird. Ähnlich ambivalent ist die anhaltende Umgestaltung der Verwaltung, in der die neu entstandenen Dienste, Agenturen, Komitees und selbst manche übrig gebliebenen Ministerien nicht mehr wissen, welche Aufgaben und Kompetenzen sie haben, von den völlig verunsicherten Mitarbeitern ganz zu schweigen. Die jeder Marktwirtschaft spottenden Imperien der Oligarchen und des Staates beherrschen die lukrativen Märkte mittlerweile so stark, dass selbst große deutsche Unternehmen sich einen selbstständigen Markteintritt nicht mehr zutrauen.

Wer würde sich unter diesen Bedingungen heute etwa um eine Förderlizenz für Kohlenwasserstoffe, Buntmetalle oder Bauxit bemühen? Wer finge übermorgen an, in Russland Stahl oder Aluminium zu produzieren? Wer versuchte, im Markt der Energieerzeugung Fuß zu fassen? Steht jemand vor dem Eintritt in die Holz oder Holz verarbeitende Industrie oder in die Papierindustrie? Wird ein Pharmaunternehmen morgen seine Produktion in Russland aufnehmen, ein Chemieunternehmen? Nein – im Gegenteil: Selbst die politisch geförderten „Leuchtturmprojekte“ verlieren so schnell an Leuchtkraft, dass an ihnen kein Mittelständler seinen Investitionskurs ausrichten kann.

Wenn aber schon Großunternehmen kaum investieren, was sollte dann einen Mittelständler, der keinen Interessenvertreter in strategischen Arbeitsgruppen und keinen Zugang zum Gefolge des Kanzlers bei Gesprächen auf höchster Ebene hat, dazu bewegen, sein eigenes und das Geld seiner Familie zu riskieren?

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