Gruppensex und Stripper - Schwarzeneggers „haarsträubende“ Aussagen
Liberale Einstellungen könnten Schwarzenegger schaden

Bei jedem Wahlauftritt wird der „Terminator“ von Fans umjubelt und mit Autogrammwünschen bestürmt. Auch die Enthüllungen Arnold Schwarzeneggers "wilder" Vergangenheit ändern nichts an seiner Beliebtheit als Politiker. Schaden sollen ihm vielmehr seine heutigen liberalen Einstellungen, glauben politischen Beobachter.

HB/dpa SAN FRANCISCO. Nach Hollywood- Maßstäben dürfte Arnold Schwarzenegger mit seiner bisherigen Darbietung als Gouverneurskandidat recht zufrieden sein. Bei jedem Wahlauftritt wird der „Terminator“ von Fans umjubelt und mit Autogrammwünschen bestürmt. Die Talk-Show-Gastgeber reißen sich um den Star. Sein breites Grinsen ist aus den Abendnachrichten nicht mehr wegzudenken. In rund zwei Wochen „spielte“ der Actionfilmstar schon mehr als 3 Mill. Dollar ein. Wie seine Wahlhelfer am Donnerstag bekanntgaben, haben seine Befürworter rund 1,1 Mill. Dollar für den Wahlkampf gespendet, den Rest des Budgets legte Schwarzenegger aus eigener Tasche dazu.

Auch bei der neuesten Umfrage hat der Schauspieler die Nase vorn. 45 Prozent der befragten Wähler würden heute für ihn stimmen, 29 Prozent für seinen wichtigsten demokratischen Widersacher, Cruz Bustamante. Bei so viel Rückendeckung blieb der Kandidat äußerlich ganz gelassen, als in dieser Woche peinliche Äußerungen über Sex und Drogen aus seiner Zeit als Bodybuilder enthüllt wurden.

Besser schlechte Schlagzeilen als gar keine - dies hat sich als Hollywood-Motto schließlich bewährt. 1977 packte der damals 29- jährige Muskelmann in dem inzwischen eingestellten Erotik-Magazin „Oui“ über seine Manneskraft, Gruppensex, Drogenvergnügen und wilde Partyjahre aus. Schlagkräftig verteidigte sich der jetzt 56 Jahre alte vierfache Familienvater in einer Radiosendung: „Ich habe nie danach gelebt, einmal Politiker zu werden. Ich habe mein Leben nicht danach ausgerichtet, Gouverneur von Kalifornien zu werden.“ Er habe damals Dinge gesagt, die „haarsträubend und verrückt und unmöglich“ waren, räumte der Republikaner ein.

Ob ihm seine konservativen Parteifreunde wohl verzeihen, dass er nach eigenen Angaben als junger Bodybuilder in München eine Stripperin als Freundin hatte und sich mit „Nachtmenschen - Entertainern, Prostituierten und Barbesitzern“ amüsierte? Auf der Webseite des Internetdienstes „The Smoking Gun“ ist alles im Detail nachzulesen.

Es seien weniger die wilden 70er Jahre als seine heutigen liberalen Einstellungen, die ihm in konservativen Kreisen schaden könnten, glauben politische Beobachter. In mehreren Rundfunksendungen sprach sich Schwarzenegger für das Recht auf Abtreibung, die Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke und gegen neue Ölbohrungen vor der Küste Kaliforniens aus. Damit könnte er zwar Parteifreunde verlieren, aber in dem von Demokraten regierten Staat viele Pluspunkte sammeln.

Doch in vielen Fragen ist er vage und kann es keiner Seite recht machen. So gibt sich „Arnie“ schwulenfreundlich und befürwortet „häusliche Partnerschaften“, lehnt aber die Homo-Ehe ab. Der Terminator verteidigt einerseits das Recht auf Waffenbesitz, erzürnt aber die Waffenlobby mit seinen Vorschlägen, Waffenkäufe zu regulieren. Von fernsehgerechten sehr knappen Äußerungen abgesehen, geht Schwarzenegger hartnäckigen Reporterfragen aus dem Weg. Seine Helfer räumten gegenüber dem „San Francisco Chronicle“ ein, dass der Schauspieler bis jetzt längere Interviews vermieden hat.

40 Tage vor den Wahlen, die für den 7. Oktober angesetzt sind, ist die Kritik an seinen Ausweichmanövern ungebrochen. „Er ist so falsch wie seine Haarfarbe“, wetterte Art Torres, Parteivorsitzender der kalifornischen Demokraten. Auch die Flut von Witzen reißt nicht ab. So lieferte Talkmaster David Letterman jetzt eine Erklärung, warum das Weiße Haus den Terminator weitgehend ignoriert: „Präsident Bush hüllt sich in Schweigen, was Schwarzenegger betrifft. Klar doch, er kann „Schwarzenegger“ nicht aussprechen.“

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