Gu Kailai
Entkommt Chinas „rote Prinzessin“ dem Henker?

Gu Kailai stieg an der Seite ihres Mannes zur „roten Prinzessin“ auf. Dann kam die Anklage wegen des Giftmordes an Neil Heywood. Das Verbrechen soll sie bereits gestanden haben. Nun droht ihr die Todesstrafe.
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PekingGu Kailai gehörte ebenso wie ihr Mann Bo Xilai zu Chinas Elite. Als jüngste Tochter von Gu Jingsheng, eines berühmten Generals in der Volksbefreiungsarmee, genoss die heute 53-Jährige eine privilegierte Stellung in dem Land - diese Familienbande könnten sie nun vor der Todesstrafe bewahren.

Nach dem Besuch der renommierten Peking-Universität, wo auch ihr späterer Mann studierte, machte Gu sich mit prestigeträchtigen internationalen Fällen einen Namen als Anwältin. Sie gründete sogar ihre eigene Kanzlei und veröffentlichte 1998 einen Ratgeber mit dem Titel „Wie man eine Klage in den USA gewinnt.“ Darin beschrieb sie auch das Strafrecht Chinas: „Wenn wir wissen, dass Sie jemand umgebracht haben, werden sie verhaftet, verurteilt und hingerichtet.“

Gu, die fließend englisch sprechen soll, verbrachte in den vergangenen 20 Jahren anscheinend viel Zeit im Ausland. Dort soll sie auch den Namen Horus L. Kai benutzt haben - Horus war ein ägyptischer Kriegsgott. Wegen ihrer Ausstrahlung wurde sie zuweilen die „Jackie Kennedy Chinas“ genannt. Ihren Mann lernte sie 1984 in der Stadt Dalian kennen, wo er damals Parteisekretär war. An seiner Seite stieg sie zur „roten Prinzessin“ auf.

Ihr tiefer Fall kam mit der Anklage wegen des Giftmordes am britischen Geschäftsmannes Neil Heywood, eines alten Freundes und Geschäftspartners der Familie. Gerüchte kamen auf, sie habe ein Verhältnis mit dem 41-Jährigen gehabt. Auf Milde der Richter kann sie indes nicht nur wegen ihrer Abstammung rechnen: Laut Anklage ist Gu Kailai wegen chronischer Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Depression und Paranoia psychiatrisch behandelt worden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich wäre skeptisch auf eine Nichthinrichtung der Dame zu spekulieren. In solchen spektaktulären Fällen ist die Chinesische Führung immer darauf bedacht zu beweisen, dass sie gerade Privilegierte nicht schont. Der Henker dürfte der Dame letztendlich doch noch gewiss sein.

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