Guantanamo
Ex-Kindersoldat entschuldigt sich für Handgranatenangriff

Er tötete als Jugendlicher in Afghanistan einen amerikanischen Soldaten. Nachdem er in Guantanamo herangewachsen ist, steht er nun vor einem Militärgericht und zeigt sich reuig. Juristische Taktik seines Verteidigers oder ernst gemeinste Entschuldigung?
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HB WASHINGTON. Der als "Kindersoldat" von Guantanamo Bay bekannte Gefangene Omar Khadr hat sich am Donnerstag vor einem Militärtribunal bei der Witwe des von ihm getöteten US-Soldaten entschuldigt. In dem Verfahren auf dem US-Stützpunkt in Kuba geht es zurzeit um die Festsetzung der Strafe für den heute 24-jährigen Kanadier.

Khadr hatte sich Anfang der Woche schuldig bekannt, ein Al-Kaida-Terrorist gewesen zu sein und den US-Soldaten Chris Speer 2002 bei einem Feuergefecht in Afghanistan mit einer Handgranate getötet zu haben. Das hatte zu einer Verkürzung des Prozesses geführt, da damit Zeugenvernehmungen hinfällig wurden.

"Der Schmerz, den ich Ihnen und Ihrer Familie zugefügt habe, tut mir wirklich, wirklich leid", sagte Khadr nach Medienberichten an die Witwe Tabitha Speer gewandt. "Ich wünschte, ich könnte etwas tun, um Ihnen den Schmerz zu nehmen."

Im Gegenzug zu Khadrs Schuldeingeständnis hatten Ankläger und Verteidiger ein milderes Strafmaß ausgehandelt, als es ihm bei einem Schuldspruch in einem vollständigen Prozess gedroht hätte. Nach Medienberichten soll Khadr, der bereits seit acht Jahren in Guantánamo ist, ein weiteres Jahr in dem Gefangenenlager verbringen und dann noch weitere sieben Jahre in seiner Heimat Kanada hinter Gittern sitzen.

Trotz dieser Vereinbarung muss, wie in Militärverfahren üblich, eine Geschworenenjury aus Offizieren ebenfalls noch ein Strafmaß für den Angeklagten festsetzen. Am Ende gilt dann die Strafe, die geringer ist. Khadr äußerte sich in einer Anhörung vor Beginn der Jury-Beratungen.

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