Günther Oettinger
Als Kommissar beliebt, aber auch beliebig

Am Mittwoch stellte Günther Oettinger seine Strategie für Europas Energiepolitik vor. Es war der erste große politische Aufschlag des deutschen EU-Kommissars seit seinem Amtsantritt Anfang des Jahres. Die Reaktionen darauf zeigen, dass Oettinger gut in Brüssel angekommen ist.
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BRÜSSEL. Ihm ist keine Rede zu viel, er lässt keinen Jahresempfang aus. EU-Kommissar Günther Oettinger ist in Brüssel überall dabei und immer gern gesehen. Gestern empfing ihn der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, vor zwei Tagen bat der Deutsche Sparkassenverband zu Langusten, Austern und klassischer Musik. Und zwischen den Ansprachen fand der Kommissar zudem Zeit für sein eigentliches Aufgabengebiet - und stellte seine Strategie für Europas Energiepolitik vor.

Es war der erste große politische Aufschlag des deutschen EU-Kommissars seit seinem Amtsantritt Anfang des Jahres. Die Reaktionen darauf zeigen, dass Oettinger gut in Brüssel angekommen ist. Die schwierigen Zeiten in Stuttgart, wo er als Ministerpräsident öfter aneckte, sind vergessen. Jetzt zeigt er sich nicht mehr sperrig, sondern geschmeidig. Der Mann sei gut informiert und könne zuhören, sagen fast alle, die mit ihm zu tun hatten.

Oettinger hält ja auch für alle etwas Passendes bereit in seiner neuen Energiestrategie: erneuerbare Energien, Atomkraft, Kohle, Gas. Und so erntet er fast überall Lob: Die Betreiber der Nabucco-Gaspipeline, das Europäische Atomforum, die deutschen kommunalen Unternehmen, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und die Sozialdemokraten im Europaparlament - alle sind angetan. Nur die Grünen vermissen "verbindliche" Energiesparziele. Und die deutsche Energiewirtschaft beschwert sich hinter den Kulissen: Oettinger müsse energischer gegen die Abschottung der nationalen Strommärkte vorgehen. Dafür allerdings müsste er sich mit Frankreich und Spanien anlegen. Das hat er bisher nicht getan.

Wer beliebt sein will, bleibt eben auch ein wenig beliebig.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Günther Oettinger: Als Kommissar beliebt, aber auch beliebig"

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  • ich verstehe einfach immernoch nicht, wieso normal intelligente Menschen sich für Atomkraft einsetzen, den bau von sündteuren Gaspipelines unterstützen und sich dann auch noch behaupten, sie täten es für die Klimaziele.

  • Einfach nur Totalausfall. Ein Spießbürger und Mitläufer in der Riege der Absahner und Hirnlosen. Peinlich ohne Ende!

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