Guido Westerwelle
„In der Welt ist Deutschland relativ klein“

Außenminister Guido Westerwelle sieht eine „sehr ähnliche“ Interessenslage zwischen den EU- und ASEAN-Staaten. Auf einem Treffen der Außenminister beider Unionen warb er für eine Vertiefung der Beziehungen.
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Bandar Seri BegawanBundesaußenminister Guido Westerwelle sieht „enorme Potenziale“ zwischen Europa und den Ländern des Verbandes der südostasiatischen Staaten, ASEAN. Wie Westerwelle am Freitag im Rahmen des Treffens der Außenminister der EU und ASEAN’s in Brunei meinte, wolle die EU in den Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen mit ASEAN „einen neuen Anlauf nehmen“. Die Interessenslagen der EU und von ASEAN seien „sehr ähnlich“. ASEAN sei „eine Region in der Welt mit einem sehr beeindruckenden wirtschaftlichen Erfolg“. Die zehn Mitgliederländer des ASEAN-Verbandes seien bereits jetzt „sehr stark wirtschaftlich mit einander vernetzt“.

„Wachstumsorientierte Politik“

Hauptthemen der Konferenz in Brunei waren die Entwicklungen in Südostasien, in Europa, sowie eine Bilanz der Zusammenarbeit zwischen der EU und ASEAN Die Außenminister verabschiedeten einen neuen Aktionsplan zur Stärkung der Partnerschaft. Er deckt ein weites Spektrum politischer, sicherheitspolitischer und handelspolitischer Maßnahmen ab.

Laut Westerwelle besteht unter seinen südostasiatischen Amtskollegen ein großes Interesse daran, wie die EU die Schuldenkrise löse. Er erinnerte, dass auch die Region ASEAN in den neunziger Jahren durch eine Schulden- und Finanzkrise gegangen ist. „Sie haben diese Krise mit entsprechenden Strukturreformen gemeistert“. Der Minister meinte, Europa habe neben der Sparsamkeit „noch sehr viel stärker auf eine wachstumsorientierte Politik“ zu setzen. Die Haushaltsdisziplin sei zwar wichtig, so Westerwelle, aber die wachstumsorientierte Politik sei zur Lösung der Schuldenkrise „nicht weniger wichtig“. Deshalb werde Europa „noch mehr konkrete Schritte für Wachstum verabreden“.

„Zusammenhalten, zusammenstehen“

Auf die Frage, ob er der ASEAN-Gemeinschaft von einer in Südostasien immer wieder diskutierten Währungsunion abrate, meinte Westerwelle, er sei „ein überzeugter Anhänger der europäischen Integration“. Dazu gehöre auch eine gemeinsame Währung. „Wir haben große Chancen, in Europa, in der Welt zu bestehen. Aber nur dann, wenn wir zusammenhalten und zusammenstehen“.

Die Gewichte in der Welt veränderten sich. Es gäbe nicht nur „das große China, das große Indien, Lateinamerika, sondern es gibt längst eine ganze Reihe von kleinen Staaten in der zweiten Reihe der Aufmerksamkeit, die atemberaubende wirtschaftliche Erfolgsgeschichten schreiben. Da sollten wir als Europäer und als Deutsche dabei sein“. Aus diesem Grund sei die internationale Vernetzung entscheidend, so Westerwelle.

„Wir Europäer sind etwa 500 Millionen bei einem Binnenmarkt, der zusammensteht. Die ASEAN-Staaten haben 600 Millionen Menschen. Das zeigt schon alleine die Dimension“. Deutschland sei in Europa ein relativ großes Land. „In der Welt sind wir relativ klein“. Deutschland werde in Zeiten der Globalisierung, im 21. Jahrhundert „mit wachsenden neuen Kraftzentren in der Welt nur erfolgreich sein, wenn wir in Europa zusammenhalten“.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Guido Westerwelle: „In der Welt ist Deutschland relativ klein“"

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  • "...Guido Westerwelle sieht „enorme Potenziale“ zwischen Europa und den Ländern des Verbandes der südostasiatischen Staaten..."
    Natürlich. Und wenn etwas nicht passt, wird es passend gemacht.
    Z.B. die Dumpinglöhne in Deutschland.
    Die können noch beliebig gesenkt werden.
    Die EU wird das nicht aufhalten können, sitzen sie doch demnächst geschlossen unter den deutschen Rettungsschirmen und warten auf die Erlösung nach deutscher Lesart...!

  • Ja, glaubt man denn in der Redaktion dass viele wissen was, wer oder wo Bandar Seri Begawan ist? Das Sultanat Brunei ist dank der Shell eines der wenigen Staaten mit Null Staatsverschuldung. Brunei, umgeben von Ostmalaysia ist durchaus eine Reise wert. Nicht Moslems dürfen sogar Alkohol mitbringen. Zu kaufen gibts den allerdings nicht.

    Südostasien ist eine Region in der ein ganz mächtiger wirtschaftlicher Aufschwung statt findet. Da ist es gut, wenn sich unsere Regierung und unsere Wirtschaftsführer um die Länder bemühen. Deutschland und deutsche Produkte haben da einen sehr guten Ruf. Diesen gilt es auszubauen.

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