Gutachten: Geheimdienstmitarbeiter beteiligt
Skandal um Folterungen in Abu Ghraib weitet sich aus

An der Misshandlung von Gefangenen im Irak waren nach Angaben aus US-Armeekreisen mehr Mitarbeiter des militärischen Geheimdienstes und privater Sicherheitsfirmen beteiligt als bislang bekannt.

HB WASHINGTON. Bei der Vorlage eines Berichts über die Rolle der Geheimdienste in der umstrittenen Haftanstalt räumte US-General George Faye am Mittwoch in Washington erstmals einige wenige Fälle von Folter ein. Außerdem gab die US-Armee zu, dass insgesamt acht irakische Häftlinge als so genannte Geister-Gefangene vor dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) versteckt worden seien. Einer der Männer sei an den Folgen von Misshandlungen gestorben.

Nach den Worten von General Paul Kern sollen 23 Geheimdienstmitarbeiter sowie vier Verhörspezialisten von Privatfirmen an insgesamt 44 Misshandlungsfällen in dem irakischen Gefängnis beteiligt gewesen sein. Die Mehrheit der US-Soldaten habe ihren Dienst aber ehrenhaft abgeleistet. Kern machte den ehemalige Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General Ricardo Sanchez, für die Dinge verantwortlich, „die geschehen oder nicht geschehen“ seien.

Es war bereits der zweite Untersuchungsbericht des US- Verteidigungsministeriums zu den Misshandlungen in Abu Ghoreib, der binnen 24 Stunden vorgestellt wurde. In beiden Berichten wird der politischen und militärischen Führung der USA Mitverantwortung und Begünstigung für den Misshandlungsskandal zugeschrieben. Ein Rücktritt von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Konsequenz aus den Misshandlungsfällen wird jedoch abgelehnt.

Bereits am Dienstag war der ehemalige US-Verteidigungsminister James Schlesinger in seinem Bericht zu dem Schluss gekommen, dass das Fehlen von Plänen für die Besatzungszeit und die Behandlung von Gefangenen, der eklatante Mangel an Personal und Mitteln sowie die Vernachlässigung der Aufsichtspflicht eine Atmosphäre des Chaos ermöglicht hätten. „Es gibt eine institutionelle und persönliche Verantwortung der gesamten Befehlskette hinauf bis nach Washington“, sagte Schlesinger.

Der Untersuchungsbericht über die Rolle der Geheimdienste kommt zu dem Schluss, dass es nur in wenigen Fällen heimliche Absprachen zwischen Wachpersonal und Spezialisten gegeben habe, irakische Gefangene vor Verhören „weich zu klopfen“. Das sei aber keine Generallinie gewesen. Einige Ermittler hätten Druck verspürt, bei den Verhören Informationen zu produzieren, hieß es weiter.

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