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22.11.2007 

Die vielfältigen Probleme beginnen mit der Korruption. Um einen Platz an einer bekannten Universität zu bekommen, war es jahrelang üblich, dass der angehende Student vor der Aufnahmeprüfung ein „Tutorium“ bei einem der Professoren des Fachbereichs seiner Wahl belegt – wofür bis zu vierstellige Dollar-Summen fällig wurden. Die Gehälter an den Universitäten sind – bis heute – knapp bemessen. Während Top-Akademiker in der Sowjetunion zu den Privilegierten gehörten, darf sich ein Professor heute mit einem Gehalt von 1 000 Dollar glücklich schätzen.

Junge Lehrer bringen es gerade einmal auf rund 400 Dollar. Der Staat versucht zwar junge Leute mit Prämien zu ködern, damit sie mindestens drei Jahre nach dem Ende ihrer Ausbildung auch noch in ihrem Beruf arbeiten. Doch dann suchen viele ihr Heil in der Privatwirtschaft.

Um dem „Schmieren“ für gute Noten und Studienplätze ein Ende zu setzen und die Leistungen der Schüler vergleichbarer zu machen, hat die Regierung ein zentrales Abitur eingeführt, das auch als Aufnahmetest für die Unis gilt. Doch gerade die renommierteren Hochschulen suchen sich ihre Studenten weiter selbst aus. Grundsätzlich sei das Zentralabitur ein wichtiger Schritt, meint Guriew. Ein Ende der Korruption bedeutet dies aber noch lange nicht: Eltern versuchen beispielsweise über die Immatrikulation ihre Söhne vor dem äußerst brutalen Militärdienst zu bewahren. Viele Institute helfen gerne, für einen angemessenen Preis.

Dass sich im Bildungswesen etwas ändern muss, ist unter den meisten Fachleuten Konsens, über den Weg und auch über das Ziel wird gerungen. Während die Regierung versucht, sich am amerikanischen Hochschul-System zu orientieren und Wettbewerb der Unis um Mittel und Talente durchsetzen will, sehnen sich so manche Gelehrte wieder das sowjetische System herbei, das ihnen viel Geld und Privilegien gesichert hat. „Eine Diskussion um die Qualität der Lehre findet nicht statt“, sagt ein westlicher Diplomat.

Immerhin plant Russland nun den Bachelor und Master einzuführen, um seinen Uni-Absolventen zumindest vergleichbare Abschlüsse wie in der EU und in den USA zu ermöglichen. Aber das ist noch Theorie.

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