Gute Weltwirtschaftsaussichten überschattet
Prognosen sind schwierig

Trotz eines starken Konjunkturaufschwungs der Weltwirtschaft ist keine Entspannung in Aussicht, da Faktoren wie Sicherheit, Staatsverschuldungen und hohe Ölpreise allen Ländern Sorgen bereiten.

HB WASHINGTON. Wirtschaftlich ist die Welt in einer so guten Startposition wie seit Jahren nicht mehr. Die Finanzminister der Teilnehmerstaaten - USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Russland - gaben bei ihrem jüngsten Treffen in New York den Ton vor. Sie schätzen die Aussichten besser ein als seit 15 Jahren.



„Wie gefestigt (der Aufschwung) ist, zeigt sich in der deutlichen Ausweitung der Investitionen und auch darin, dass weder die jüngsten Terroranschläge noch die Zuspitzung der Lage im Irak den Optimismus an den Aktienmärkten nachhaltig gedämpft habe“, meinten auch die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten.



Weltweit rechnen Volkswirte mit einem Wachstum von 3,7 Prozent in diesem und 3,1 Prozent im nächsten Jahr. Die US-Wirtschaft legte im 1. Quartal noch stärker zu als in einer ersten Schätzung angenommen: um satte 4,4 Prozent auf hochgerechneter Jahresbasis. Für das Gesamtjahr rechnet etwa das Kieler Weltwirtschaftsinstitut mit 4,5 Prozent in diesem und 3,7 Prozent im nächsten Jahr. Japan ist endlich aus dem jahrelangen Konjunkturtief heraus (2004: plus 2,8 Prozent, 2005: 2,2 Prozent).



Und selbst Europa dürfte zulegen: um 1,6 in diesem und 2,0 Prozent im nächsten Jahr. Auch in Deutschland rechnen die führenden Wirtschaftsinstitute nach dreijähriger Stagnation 2004 und 2005 mit einem Plus von 1,5 Prozent.



Keine Region kann sich angesichts der Prognosen allerdings entspannt zurücklehnen. Im Chor mit anderen renommierten Ökonomen warnt US-Notenbankchef Alan Greenspan immer wieder vor den massiven US-Defiziten in Haushalt und Leistungsbilanz. Das sei auf lange Sicht nicht tragbar, mahnt er und fordert die Regierung zum Sparen auf. Volkswirte sorgen sich auch vor lahmendem Reformwillen in Europa, wo sie die Arbeitsmärkte weiter für zu geschützt und die Sozialausgaben für zu hoch halten. In Japan werden Banken- und Finanzsektorreform für längst nicht ausreichend gehalten.



Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat allen Ländern in diesem Frühjahr ins Stammbuch geschrieben, die Aufschwungphase zur Konsolidierung der Staatsfinanzen und für weitere Reformen zu nutzen, um für die nächste Krise besser gewappnet zu sein.



Was die G8 dagegen wenig steuern können, sind die Ölpreise. Die Finanzminister forderten die Erdöl exportierenden Länder unverblümt auf, mehr Öl zu fördern, um den Preis zu drücken. Dabei fördert die OPEC schon mehr als nach ihren selbst auferlegten Quoten vorgesehen. Der Preis ist hoch, weil mit der anziehenden Konjunktur die Nachfrage wächst, weil die Raffinerien in den USA nicht so viel verarbeiten können, wie verlangt wird, weil China mit seinem ungestümen Wachstum immer Öl hungriger wird und weil auf den Ölmärkten aus Sorge vor einem möglichen Anschlag, der die Produktion schwer einschränken könnte, bereits eine Risikoprämie einkalkuliert wird.



Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi will in Sea Island einen Energiespar-Vorstoß machen. Wie aus Regierungskreisen in Tokio verlautete, will Koizumi beim Gipfel für das nächste Jahr zu einem großen Ministertreffen nach Japan einladen. Dabei soll es um Energiesparen und Recycling gehen.



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