Guttenberg bei IWF-Tagung Prinz und Aschenputtel steigen in den Ringe

Ring frei für zwei Shootingstars: Karl-Theodor zu Guttenberg trifft Jörg Asmussen. In Washington zeigen ein früherer und ein aktueller Aufsteiger, wie eine Politkarriere funktioniert - und wie nicht.
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Auch sein Charme konnte ihm irgendwann nicht mehr helfen: Der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei der Sicherheitskonferenz Halifax International Security Forum. Quelle: dapd

Auch sein Charme konnte ihm irgendwann nicht mehr helfen: Der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei der Sicherheitskonferenz Halifax International Security Forum.

(Foto: dapd)

WashingtonSichtlich unwohl fühlt sich Karl-Theodor zu Guttenberg. Angetan in hellgrauem Nadelstreifen rutscht er auf seinem Sessel herum, schlägt mal die Beine links und dann wieder rechts übereinander und lässt einen Stift zwischen den Fingern rotieren. Möglichst beiläufig wandern seine Augen durch den Raum. So, als wollten sich Guttenberg vergewissern, was er schon beim Betreten ahnte: Dass er hier nicht nur vor wohlmeinenden amerikanischen Experten über die Eurokrise debattieren wird. Sondern vor deutschen Journalisten, die plötzlich Stuhlreihe um Stuhlreihe füllen und in Mannschaftsstärke vor ihm sitzen.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Ehemaliger deutscher Wirtschafts- und Verteidigungsminister, ehemaliger Doktor der Rechtswissenschaften und ehemaliger Hoffnungsträger und Kanzlermaterial der CSU.  Diskutieren soll Guttenberg mit einem anderen politischen Shootingsstar: Mit Jörg Asmussen. Der ist vom Ministerialdirektor zum Staatssekretär und dann zum deutschen Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank durchgestartet. Mit 45 Jahren ist das SPD-Mitglied Asmussen nur eine Handvoll Jahre älter als „KT“. Aber vor allem hat Asmussen einen großen Vorteil: Er ist bei seinem Aufstieg nicht abgestürzt.

Nach 60 Minuten in den Katakomben des renommierten Thinktanks CSIS in Washington, für den KT als One-Dollar-Man unterwegs ist, glaubt man besser zu verstehen, warum das so ist. Weil Asmussen langsam, überlegt und strukturiert redet. Weil er das sagt was nötig ist und ansonsten einen Punkt setzt. Während Guttenberg ein wahres Füllhorn an Versatzstücken auf die Zuhörer ausschüttet, von denen sich am Ende jeder selbst überlegen kann, was der Ex-Minister wohl gemeint haben könnte.

Die schiere Zahl der Gedanken, die aus dem Bayern herauspurzeln, sollen aber möglicherweise nur verschleiern, dass KT inhaltlich auf dem Rückzug ist. Denn vor einem knappen halben Jahr hatte er auf einem Sicherheitsforum im kanadischen Halifax sein Comeback ausgetestet – mit einer politischen Breitseite gegen Europa und die Manager der Eurokrise. Denen warf er damals Unfähigkeit vor („Wir stolpern von einer Krise in die nächste“) und mangelnde Leidenschaft („Es fehlt beim Thema Europa an Gefühl, an Emotion“).

Er mäkelt an der Währungsunion herum
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12 Kommentare zu "Guttenberg bei IWF-Tagung: Prinz und Aschenputtel"

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  • Asmussen hat in der Schröder-Regierung und dann noch in der Großen Koalition der Befreiung der Finanzmärkte von staatlichen Regelungen und Prüfpflichten das Wort geredet und dazu beigetragen, dass die Finanzkrise verursacht wurde. Dass der SPD-Mann auch unter einem CDU-Finanzminister Schäuble noch Karriere gemacht hat, sollte nicht vergessen werden, wenn der EURO sein Ende findet. Wichtig für künftige Historiker. Fuechsin hat Recht, auch das Dilemma mit der IKB bleibt an Asmussen hängen. 8,1 Mrd. € KfW/Bundes-Stütze, exakt nach 15 Monaten wurde die IKB für schlanke 250 Mio € verkauft. Das sind Leistungen ...bitte nicht vergessen.

  • Frau Riedel, Sie haben den thematischen Überblick verloren

  • Diese Veranstaltung war ein subtiler Versuch, Guttenberg wieder salonfähig zu machen. Ein Versuchsballon unter Think- Tank, Atlantikbrücklern, Trilateralen und Bilderbergern.

    Sowohl Asmussen als auch Guttenberg sind ob ihres bisherigen Wirkens gegen die wahren Interessen unseresLandes als Hochkriminelle auszumachen.

    Ergo: Es darf bei Politikern aller Coleur KEINER mehr den o.a. Organisationen angehören.
    Diess wird deshalb nicht gefordert, weil parteiübergreifend alle Politiker mitden Gangstern verwoben sind und deshalb die "Parteienvielfalt" nur Makulatur ist.


  • welch gestrickter journalistischer Schwachsinn.

    ... es fehlt Europa an Emotion....

    Ob sich jetzt zwei "testosterongeschwängerte Karrierejorges"
    beim Espresso mit Plausch austauschen, ist für Europa unerheblich.
    Der Stellenwert Europas wird unverändert nach den zu holenden Transaktionen für eigene Klientelkreise gemessen, nach Gesetzeslücken bzw zu schaffenden Gesetzen, hinter denen sich scheindemokratische Neu-EU-Politiker bzw politische Alt-Corleones mit aufgebauten hauseigenen "krimineller Geschäftsbanden" verstecken und am Empfängertropf permanent profitieren .

    Freie Fahrt für "neoliberal-demokratisch-sozial" gestrickte Klientel-Bereicherungskreise.

    Die zwei oben genannten Leuchten bilden allenfalls Dekoration im Blitzlicht rascher Ereignisse.

    Bitte, verschont Leser mit KT und seiner christlich-geprägten Weitsicht.
    Für unsere gehör(n)ten "Währungskrisenmanager" legt schon mal japanische Ehrenschwerter in die Haustempel medialer Eitelkeiten.

  • Wird dies das neue Handelsblattniveau ? Was soll mir dieser Artikel sagen ? Eigentlich Zeitverschwendung weiterzuschreiben....

  • Ist Guttenberg auch ein Burschenschafter, wie BILD-Chef Kai Diekmann?
    Atlantikbrücke, Burschenschfaten, Lions, Rotarier, Bilderberger, Freimaurer, Illuminaten usw.
    und die deutsche Journalie schläft weiter.

    Diekmann:
    http://www.franconia-muenster.de/start/

  • ASMUSSEN - auf in die EDEL-DDR
    Als Aufsichtsrat der IKB trug er unmittelbar Verantwortung . Die KfW muss die IKB mit 8,1 Milliarden stützen.
    Er hat das Verbriefungsrecht vehement vorangetrieben und sich gegen "unnötige Prüfpflichten eingesetzt - für die Staatskrise mit verantwortlich.
    Probleme der HRE waren bekannt - Ackermann gewarnt - wer hat ihn nicht verstanden Steinbrück und ASMUSSEN.
    Steinbrück der Retter der Banken tritt mit ASMUSSEN vor die Journalisten und verkünden ihren Plan. Auf die Frage eines Journalisten, wie hoch die Kredite für die Banken verzinst werden, suchen sie in ihren Unterlagen und finden keine Antwort. England und die Schweiz haben die Kredite mit 15 und 12 % verzinst, damit nicht der Steuerzahler dafür gerade stehen muss. Über welch ein umfangreiches Wissen die beiden doch verfügen!! Aber sie sind in der SPD!!!
    Hier wird es ja nicht ganz so schlimm, denn eine gute Wirtschaft und die genügsamen Arbeitnehmer bügeln deren Unwissen schon aus. Sein ehemaliger Prof. hat Herrn ASMUSSEN sehr konkret beschrieben. wie recht er doch hatte.

  • UUPPS liebes Handelsblatt, der Artikel ist wohlin die Hose gegangen (nach der Kommentaren hier zu urteilen).

  • ... womit ist denn diese Schlagzeile gerechtfertigt? Gibt es momentan keine wichtigeren Informationen?

    Vielleicht doch lieber wieder zurück zur Bild-Zeitung, niveaulos[...] können die besser.

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • Ring frei für zwei Günstlinge der Macht hinter den Kulissen..

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