Hacker-Attacken: Südkorea hat nach Cyberangriff Nordkorea in Verdacht

Hacker-Attacken
Südkorea hat nach Cyberangriff Nordkorea in Verdacht

Server-Ausfälle bei TV-Sendern und Banken haben in Südkorea Cyber-Alarm ausgelöst. In der Vergangenheit waren Unternehmen und Behörden Ziel der Hacker-Attacken. Die Betroffenen verdächtigen den kommunistischen Nachbarn.
  • 5

SeoulGegen 14 Uhr Ortszeit ging am Mittwoch plötzlich nichts mehr. „Zuerst war der Zugang zum Internet instabil, dann zeigte der Bildschirm eine Fehlermeldung an“, sagte die Redakteurin Chung Soon Wan von KBS World Radio in Seoul. Noch Stunden nach den Ausfällen im Computernetz des südkoreanischen Rundfunksenders war der Internetzugriff blockiert. Wie beim Konkurrenzsender MBC und beim Nachrichtenkanal YTN hatten womöglich Hacker unbekannter Herkunft die Netzsysteme zum großen Teil lahmgelegt.

Auch die großen Bankenhäuser Shinhan und Nonghyupp sind betroffen. Vorübergehend war das Online-Banking nicht mehr möglich. „Wir vermuten, dass ein Cyberangriff von außen die Ursache war“, sagte ein Sprecher von Shinhan. Ob die massiven Störungen tatsächlich auf böswillige Hacker aus dem Ausland zurückzuführen sind, war zunächst nicht zu beweisen. Die südkoreanische Kommunikationskommission vermutet, dass von Hacker verbreitete Schadprogramme die Ausfälle ausgelöst hatten. Die drei betroffenen Sender greifen unter anderem auf das gleiche Kommunikationsnetz des Internet-Anbieters von LG U+ zurück.

Fast reflexhaft fällt in Südkorea der Verdacht auf Nordkorea. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich nach einem umstrittenen nordkoreanischen Raketenstart im Dezember und dem dritten Atomtest des Landes im Februar spürbar verschärft. Seoul befürchtet schon seit längerem, dass sich Nordkoreas Militär zu einer Provokation hinreißen lässt. Nordkorea hatte als Reaktion auf die Ausweitung von UN-Sanktionen und Militärübungen der südkoreanischen und amerikanischen Streitkräfte mit Militärschlägen gedroht.

Aber nicht nur die Angst vor Raketen- und Artilleriebeschuss ist weit verbreitet. Auch die Besorgnis über Angriffe aus dem Cyberspace ist in den vergangenen Jahren im stark vernetzten und reichen Südkorea deutlich gewachsen. Das kommunistische Nachbarland rüstet sich nach Einschätzung des südkoreanischen Geheimdienstes schon seit Jahren für einen Cyberkrieg – auch wenn das Regime den eigenen Bürgern den Internetzugang verwehrt.

Schon vor einigen Jahren hatten südkoreanische Medien unter Berufung auf Geheimdienste berichtet, dass Pjöngjang Hackerbrigaden für Attacken im Ausland ausbildet. Die Zahl der Angriffe aus Nordkorea auf militärische Netze in den USA sei größer als aus anderen Ländern.

Die Regierung in Seoul macht Pjöngjang nicht nur für Cyberattacken in den Jahren 2011 und 2012 verantwortlich. Auch eine massive tagelange Hackerattacke auf Dutzende Regierungswebsites in den USA und Südkorea im Jahr 2009 ging nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums auf das Konto Nordkoreas.

Experten halten es für wahrscheinlich, dass auch diesmal die Netzwerkstörungen von Nordkorea ausgegangen sein könnten. Noch vor einigen Tage hatte Nordkorea den USA und Südkorea vorgeworfen, durch Hacker-Attacken nordkoreanische Internetseiten lahmgelegt zu haben. „Cyber-Terror ist einer der einfachsten Wege für sie (Nordkorea), Südkorea anzugreifen, da keine Menschen dabei zu Schaden kommen“, zitierte die Zeitung „The Korea Times“ den Leiter des Zentrums für Informationstechnologie an der Korea-Universität, Lim Jong In.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Hacker-Attacken: Südkorea hat nach Cyberangriff Nordkorea in Verdacht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Auch wenn der Verdacht der Cyberattacken durch den Norden plausibel klingt, sind in diesem Artikel zwei sonderbare Bemerkungen: "Seoul befürchtet schon seit längerem, dass sich Nordkoreas Militär zu einer Provokation hinreißen lässt." Gemeint ist wohl, die US-orientierte, inzwischen abgetretene Regierung von MB Lee hat das immer so ausgedrückt. Dabei gab es nur 2010 zwei militärische "Provokationen", von denen unabhängige Experten und die meisten Südkoreaner annehmen, sie wurden von den USA selbst herbeiprovoziert. Weiterhin heißt es, "die Angst vor Raketen- und Artilleriebeschuss ist weit verbreitet." Auch das ist realitätsfern, da die gut informierte Bevölkerung im Süden sich nicht im Geringsten um die militärischen Aktivitäten des Nordens sorgt, und selbst hohe Militärs in den letzten angespannten Wochen vor allem durch ausgiebiges Golf-Spielen während der Dienstzeit auffielen. Journalisten sollten der militärischen Panikmache von CIA und Co. nicht blind folgen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%