Haditha-Massaker
US-General beschuldigt Kommandeure

Die Anschuldigungen im Bezug auf das mutmaßliche Massaker im irakischen Haditha verhärten sich. US-Kommandeure sollen bereits kurze Zeit später gewusst haben, dass die dort getöteten Zivilisten erschossen wurden und nicht durch einen Anschlag starben. Der Schaden für das Ansehen der USA im Irak wächst.

HB NEW YORK. Die Kommandeure hätten keinen Anlass gesehen, die Vorfälle weiter zu untersuchen, berichtete die „New York Times“. US-Marine-Infanteristen stehen im Verdacht, im November in Haditha 24 Zivilisten willkürlich erschossen und dies später vertuscht zu haben.

Ein hochrangiger US-Offizier sagte der Zeitung, die Kommandeure hätten den Ermittlern des Haditha-Vorfalls mitgeteilt, sie hätten die ersten Unstimmigkeiten der einzelnen Berichte über die Todesursache der Zivilisten nicht als ungewöhnlich angesehen. Zudem hätten keine Hinweise darauf vorgelegen, dass die Iraker willkürlich getötet worden seien.

„Man kann nicht glauben, dass sie es nicht gewusst haben“, sagte ein namentlich nicht genannter US-General der Zeitung. „Es muss klar gewesen sein, dass die Sache stinkt.“

Die US-Armee hatte zunächst erklärt, die Zivilisten in Haditha seien bei einem Bombenanschlag Aufständischer ums Leben gekommen. Medien meldeten jedoch Zweifel an der offiziellen Darstellungsweise an. Daraufhin waren im November Vorermittlungen angelaufen. Untersucht wird unter anderem, ob US-Soldaten ein Massaker als Reaktion darauf anrichteten, dass ein Kamerad bei einem Anschlag in nächster Nähe getötet wurde.

Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki verurteilte den Vorfall in Haditha als „schreckliches Verbrechen“. Der „New York Times“ sagte er: „Sie haben sie mit ihren Fahrzeugen zerquetscht und auf Verdacht getötet. Das ist vollkommen inakzeptabel.“ US-Präsident George W. Bush kündigte eine lückenlose Aufklärung an.

Nach dem Folter-Skandal von Abu Ghraib haben derartige Vorfälle dem Ansehen der USA im Irak weiteren Schaden zugefügt. Haditha ist nicht der einzige Fall, in dem derzeit wegen der angeblichen Tötung irakischer Zivilisten durch US-Soldaten ermittelt wird. Untersuchungen waren etwa auch wegen der mutmaßlichen Tötung von Zivilisten im irakischen Ischaki eingeleitet worden. In diesem Fall sprach das US-Militär Soldaten jedoch vom Vorwurf frei, eine Familie in einem Haus regelrecht hingerichtet und dann versucht zu haben, dies mit Verweis auf einen Luftangriff zu vertuschen. Eine Untersuchung habe kein Fehlverhalten ergeben, die Soldaten hätten sich bei dem Einsatz im März in Ischaki an die Vorschriften gehalten, hieß es in einer Erklärung des Militärs.

Angesichts der Vorwürfe rief der oberste US-General im Irak seine Soldaten zu moralischem Verhalten auf. In einem Brief von General George Casey heißt es, die kämpfenden Truppen hätten oft schwierige Entscheidungen in gefährlichen Situationen zu treffen. „Aber die Einhaltung der Rechtsprinzipien für bewaffnete Konflikte ist für jede militärische Organisation fundamental.“ Der General ordnete für alle Soldaten im Irak ein Training für moralische Standards im Kampf an. Der Brief datiert vom Donnerstag und wurde vom Sender ABC News verbreitet.

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