Haft in Afghanistan
Entführungsopfer el-Masri verklagt die CIA

Der von der CIA irrtümlich verschleppte und mutmaßlich misshandelte Deutsch-Libanese Khaled el-Masri streitet vor Gericht in den USA um eine Entschuldigung und um Wiedergutmachung: In seinem Namen haben US-Menschenrechtler die Verantwortlichen beim amerikanischen Geheimdienst verklagt.

HB WASHINGTON. Die American Civil Liberties Union (ACLU) teilte am Dienstag mit, in der Klage werde der damalige CIA-Chef George Tennet als Hauptbeschuldigter genannt. El-Masri fordere eine Entschädigung in Höhe von mindestens 75 000 Dollar (63 700 Euro). Das ZDF berichtet zudem, die Klage richte sich auch gegen mehrere Flugunternehmen, die Tarnfirmen der CIA darstellten. Nach Darstellung der ACLU ist die Klage die erste im Zusammenhang mit geheimen CIA-Gefängnistransporten.

"Ich verlange von der amerikanischen Regierung, dass sie ihre Fehler einräumt und sich für meine Misshandlung entschuldigt", erklärte el-Masri. "Während meiner Zeit im Gefängnis habe ich verlangt, vor ein Gericht gestellt zu werden, was mir verweigert wurde. Jetzt hoffe ich, dass ein amerikanisches Gericht eindeutig feststellt, dass das, was mir geschehen ist, unrecht war, und dass es anderen nicht geschehen wird."

El-Masri sprach aus Deutschland über einen Übersetzer mit amerikanischen Journalisten. Ihm sei am Wochenende die Einreise in die USA verweigert worden, erklärte er. Über seine Entführung sagte er: "Ich wurde geschlagen und man spritzte mir Drogen. In Afghanistan wurde mir per Übersetzter gesagt: 'Du bist in einem gesetzlosen Land. Du könntest hier für 30 Jahre festgehalten werden.'" Im ZDF sagte El-Masri zudem: "In Afghanistan haben die mich auf den Boden geworfen, ich habe Fußtritte bekommen in der Zelle. Und die Haftbedingungen waren sehr schlimm."

El-Masri war im Urlaub in Mazedonien von der CIA mit einem El-Kaida-Verdächtigen verwechselt, verschleppt und in Afghanistan inhaftiert worden. Dort wurde er nach eigener Aussage brutal verhört. Erst nach sechs Monaten endete sein Martyrium - vermutlich nach einer Intervention des damaligen Bundesinnenministers Otto Schily auf US-Seite.

Der Klageführer in den USA, Steven Watt von der ACLU, sprach gegenüber "Frontal 21" von weiteren Opfern. "Wir haben Belege dafür, dass 150 bis 200 weitere Leute so behandelt wurden", erklärte er. "Das Hauptproblem ist, Zugang zu den Opfern zu bekommen." Ihm sei neben El-Masri nur ein weiterer Fall namentlich bekannt, in dem jemand nach einer solchen Verschleppungsaktion frei kam.

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