Haftbefehl gegen Park Geun-hye
Der Fluch des Blauen Hauses

Der Amtssitz von Südkoreas Staatoberhaupt wird Ex-Präsidentin Park Geun-hye nicht in guter Erinnerung bleiben. Die Tochter des Diktators Park Chung-hee verlor hier durch Attentate ihre Eltern. Nun muss sie ins Gefängnis.
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TokioEine kleine Zelle plus Dusche und Klo statt Regierungssitz: Südkoreas ehemalige Präsidentin Park Geun-hye ist tief gefallen. Zwei Wochen nach ihrer Amtsenthebung muss sie in Untersuchungshaft. Denn Freitagnacht koreanischer Zeit stellte das Zentrale Bezirksgericht der Hauptstadt Seoul einen Haftbefehl in einem Skandal aus, der seit Monaten Koreas Politik lähmt und die Geschäftswelt erschüttert.

Die Vorwürfe gegen Park wiegen schwer: Korruption, Machtmissbrauch, Zwang und die Weitergabe von Amtsgeheimnissen werden ihr von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt. Wird sie für schuldig befunden, drohen ihr zehn oder mehr Jahre Haft. Das Gericht sah eine Haft für notwendig an, da „die wichtigsten Anklagepunkte belegt worden sind und Beweise zerstört werden könnten.“

Nicht die erste Haftstrafe für Präsidenten

Park befindet sich damit in bester Gesellschaft. Im engen Klüngel der Korea AG sind Haftstrafen nicht nur für die Patriarchen der großen Familienkonglomerate ein Berufsrisiko, sondern auch für Präsidenten. Nach Chun Doo-hwan und Roh Tae-woo wäre Park schon das dritte südkoreanische Staatsoberhaupt, das wegen Korruption ins Gefängnis müsste. Der linksliberale Roh Moo-hyun entzog sich einem Korruptionsverfahren, das nach seiner Präsidentschaft gegen ihn eingeleitet wurde, durch Selbstmord.

Parks Fall ist besonders. Denn auf niemandem lastet der Fluch des Blauen Hauses, dem Amtssitz koreanischer Präsidenten, so sehr wie auf ihr. Sie ist die Tochter des Diktators Park Chung-hee, der Südkorea vom Bauernstaat zum Industrieland peitschte. Sie verbrachte ihre Jugend auf den Fluren der Macht im Blauen Haus. Es war keine glückliche Zeit, der Grundstein für ihren heutigen Fall wurde möglicherweise bereits damals gelegt.

1974 starb ihre Mutter bei einem Attentat, das ihrem Vater gegolten hatte. Sie spielte danach die Rolle der First Lady. 1979 wurde auch ihr Vater umgebracht. In diesen schweren Zeiten fand sie Trost bei Choi Soon-sil, der Tochter eines Kultführers. Parks seelischer Beistand wurde schließlich auch in der politischen Karriere Parks deren engste Beraterin.

Selbst als Park 2012 zur Präsidentin gewählt wurde, beschäftigte sie Choi laut der Anklage als heimliche Chefberaterin. Choi soll nicht nur Zugang zu Dokumenten erhalten, sondern auch die Politik Parks geschrieben haben. Das Problem: Park besorgte nicht wie US-Präsident Donald Trump für seinen Schwiegersohn Jared Kushner und seine Tochter Ivanka Arbeitsverträge und Sicherheitsklärung. Durch die Geheimnistuerei machte sie sich angreifbar.

Schlimmer noch: Darüber hinaus wird ihr vorgeworfen, dass sie die Familienkonglomerate um „Spenden“ an Stiftungen Chois gebeten habe. Rund 60 Millionen Euro überwiesen Firmengruppen daraufhin folgsam - aus Angst vor politischen Repressalien. Das behaupteten die Patriarchen zumindest im Dezember 2016 vor einem Parlamentsausschuss.
Dazu kommt eine Reihe von Petitessen: Offenbar hat die Regierung auf Parks Geheiß Kulturschaffenden, die sie kritisierten, den Geldhahn zugedreht oder das Leben anderweitig schwer gemacht. Beamte, die dagegen protestierten, sollen gefeuert worden sein. Zudem soll sich Park in das Management von Firmen eingemischt haben, damit sie Verträge mit Firmen ihrer Beraterin abschließen.

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Samsung-Firmenerbe sitzt bereits in Haft

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