Haftbefehl gegen Schiitenführer el Sadr
Im Irak droht neue Eskalation der Gewalt

Im Irak droht eine Radikalisierung der Schiiten und damit eine Eskalation der Auseinandersetzungen. Die USA wollen das Verhalten des radikalen Schiitenführer Moktada el Sadr nicht länger hinnehmen.

HB BAGDAD/WASHINGTON. Die Festnahme eines engen Vertrauten Sadrs hatte am Wochenende blutige Proteste radikaler Schiiten ausgelöst. Innerhalb von 24 Stunden starben zwölf Koalitionssoldaten und mehr als 50 Iraker. Angesichts der neuen Gewalt erwägen die USA die Entsendung weiterer Truppen.

Der Sprecher der US-Zivilverwaltung, Dan Senor, sagte, Sadr und sein am Samstag festgenommener Vertrauter Mustafa el Jakubi stünden im Verdacht, an der Ermordung des bekannten schiitischen Geistlichen Abdelmadschid el Choei am 10. April 2003 in Nadschaf beteiligt gewesen zu sein. Wegen des Mordes seien kurz nach der Tat bereits zwölf Verdächtige festgenommen worden. Der Haftbefehl gegen Sadr sei von einem Richter in Nadschaf erlassen worden. Der mit dem Einmarsch der Amerikaner aus dem Exil zurückgekehrte El Choei war damals von einem wütenden Mob mit Beilen zerhackt worden.

Der US-Militärsprecher im Irak, General Mark Kimmitt, wollte nicht sagen, wann El Sadr, der sich derzeit in einer Moschee im südirakischen Kufa bei Nadschaf in einem „Sitzstreik“ befindet, verhaftet wird. Die Art und Weise einer möglichen Festnahme hänge davon ab, „wie er die Nachricht von dem Haftbefehl aufzunehmen gedenkt“, sagte Kimmitt. „Er hat die Freiheit, sich zu stellen oder eine beliebige Polizeiwache im Irak aufzusuchen, und er wird wie jeder Verdächtige mit der gebotenen Würde behandelt.“

In einer Erklärung El Sadrs, die in einer Moschee nahe der Stadt Nadschaf verlesen wurde, hieß es: „Ich werde von einem der Anführer des Bösen, Bremer, beschuldigt, ein Gesetzloser zu sein. Wenn das bedeutet, das Recht der amerikanischen Tyrannei und seiner dreckigen Verfassung (für den Irak) zu brechen, dann bin ich stolz darauf. Das ist der Grund, weshalb ich revoltiere.“

Der radikale Schiiten-Führer hat dem irakischen Regierenden Rat zufolge einen Aufruf der obersten Schiiten des Landes zum Gewaltverzicht abgelehnt. Ein Mitarbeiter von Ratsmitglied Mohammad Bahr el Ulum sagte am Montag, der Aufruf sei einstimmig erfolgt und werde auch von Ajatollah Ali el Sistani unterstützt, der als wichtigster schiitischer Kleriker im Irak gilt. „Wir haben Moktada aufgefordert, nicht mehr auf Gewalt zurückzugreifen, keine öffentlichen Gebäude zu besetzen oder andere Aktionen vorzunehmen, die ihn zum Gesetzlosen machen“, sagte der Mitarbeiter. „Er besteht auf die Fortsetzung des gleichen Kurses, der die Nation zerstören könnte.

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