Haftbefehle gegen Mitglieder der Übergangsregierung
Mindestens 55 Tote bei Bombenanschlägen im Irak

Vier Tage vor dem Verfassungsreferendum im Irak sind am Dienstag bei mehreren Autobombenanschlägen nach Behördenangaben mindestens 55 Menschen getötet worden.

HB BAGDAD. In der Hauptstadt Bagdad seien bei einem Selbstmordanschlag mindestens 25 Menschen getötet worden, teilte die Polizei mit. Dabei habe ein Selbstmordattentäter einheimische Soldaten angegriffen und in einem Auto einen Sprengsatz gezündet. Die Bombe wurde per Fernzündung zur Detonation gebracht, als viele Menschen auf dem Markt einkauften. Zur Zeit des Anschlags hätten sich keine irakischen Sicherheitskräfte oder US-Soldaten in der Nähe befunden. In Bagdad wurden insgesamt acht Anschläge und Angriffe verübt.

Zudem hieß es in Kreisen des Inneministeriums, in der nordirakischen Stadt Tal Afar seien bei der Explosion einer Autobombe auf einem Marktplatz mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen.

Im Irak soll am Samstag über die umstrittene Verfassung abgestimmt werden. Der Entwurf für eine neue irakische Verfassung wird von einem großen Teil der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit abgelehnt. Auch vor den Parlamentswahlen im vergangenen Januar hatte die Zahl der Anschläge im Irak zugenommen.

Die Wahlkommission teilte unterdessen mit, dass sich an der Abstimmung am Samstag auch tausende Häftlinge beteiligen sollten, darunter der gestürzte Machthaber Saddam Hussein. „Alle noch nicht verurteilten Gefangenen haben das Recht zu wählen“, sagte Abdul Hussein Hindawi von der Wahlkommission in einem Telefoninterview der Nachrichtenagentur AP. Im berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib, in Camp Bucca und zwei weiteren Militärgefängnissen der US-Streitkräfte sitzen mehr als 12 000 Häftlinge. Der erste Prozess gegen Saddam Hussein ist für den 19. Oktober angesetzt, vier Tage nach der Volksabstimmung am Samstag.

Die irakische Regierung erließ unterdessen Haftbefehle gegen 27 Mitarbeiter der Übergangsregierung von Ministerpräsident Ijad Allawi. Unter ihnen sind der ehemalige Verteidigungsminister Hasem Schaalan, der sich inzwischen nach Jordanien abgesetzt hat, sowie die Minister für Arbeit, Verkehr, Elektrizität und Wohnungswesen, wie ein Sprecher der Entbaathifizierungs-Kommission mitteilte. Sie sollen mitverantwortlich dafür sein, dass bei Einkäufen für die irakischen Streitkräfte eine Milliarde Dollar verschwunden sind oder veruntreut wurden. Ermittlungen zufolge sollen Millionen Dollar in überteuerte Geschäfte für veraltete Waffen und Ausrüstungsgegenstände geflossen sein, offenbar um Geld zu waschen.

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