Haftentlassung
Lockerbie-Attentäter wird freigelassen

Im Januar 2001 wurde der libysche Lockerbie-Attentäter Abdel Baset el Megrahi zu lebenslanger Haft verurteilt. Nun hat die schottische Regierung die vorzeitige Freilassung des 57-Jährigen beschlossen. Der Häftling leidet an Krebs im Endstadium. Libyen bereitet sich unterdessen auf Feierlichkeiten vor.

HB EDINBURGH. Schottlands Justizminister Kenny MacAskill begründete die Haftentlassung el Megrahis am Donnerstag in Edinburgh mit humanitären Gründen. Der ehemalige Geheimdienstagent leidet an Prostatakrebs im Endstadium und soll nur noch wenige Monate zu leben haben. MacAskill erklärte, seine Entscheidung folge ausschließlich humanitären Erwägungen, da el Megrahi bald sterben werde. Eine höhere Macht solle dann über ihn richten. Er sei sich darüber im Klaren, dass der verurteilte Straftäter seinen Opfern gegenüber keine Humanität gezeigt habe und dass die Wunden der Angehörigen immer noch schmerzten. Dies sei aber kein Grund, dem Schwerkranken Humanität zu verweigern, betonte der Minister.

El Megrahi wurde 2001 wegen Beteilung am Absturz einer Passagiermaschine über der schottischen Ortschaft Lockerbie zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei der Explosion der Pan-Am-Maschine kamen im Dezember 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben, elf von ihnen am Boden.

Die Haftentlassung erfolgt zeitgleich zu den Festivitäten zum 40. Jahrestag der Revolution in Libyen. Für viele Libyer ist die Rückkehr des Häftlings nun noch ein weiterer Grund zum Feiern, hielten sie den Lockerbie-Attentäter doch stets für ein Bauernopfer im Spiel der Weltpolitik. Umgeben von Großplakaten des Revolutionsführers Muammar el Gaddafi legten Arbeiter auf dem Grünen Platz im Herzen von Tripolis dieser Tage letzte Hand an die Bühnen und Aufbauten für nächste Woche. Die Feierlichkeiten zur Erinnerung an 1969, als sich Oberst Gaddafi an die Macht putschte, sollen großartiger ausfallen denn je. Plakate überall in der Stadt preisen den "Architekten eines vereinten Afrikas" und Libyens "Neue Morgenröte".

Zum Schicksal el Megrahis war von offizieller Seite in Libyen wenig zu hören. Für viele Bürger wäre seine Rückkehr aber ein Zeichen dafür, dass die Demütigung durch den Westen ein Ende hat und Libyen kein Ausgestoßener mehr ist. In der Heimat gilt el Megrahi als unschuldiger Sündenbock, der geopfert wurde, um jahrelange Sanktionen zu beenden.

"Freispruch. Darauf haben wir gewartet", sagt der Rentner Mohammed Abdel Hamid. "Wir haben alle für Lockerbie bezahlt, aber el Megrahi hat den höchsten Preis bezahlt." Zwar macht sich mit der Wiederaufnahme von Beziehungen zu den USA und Europa und ausländischen Investitionen das Ende des Paria-Daseins schon bemerkbar, doch seine Verurteilung hinterlässt noch immer einen bitteren Nachgeschmack. "Das waren alles Lügen über Lügen", sagt der Kaffeehausgast Ramadan Misbahi unter zustimmendem Nicken der Tischrunde. "Er hat nichts getan."

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