Haiti
Das Ende der Goldgräberstimmung

Der Bergbau galt als großer Hoffnungsträger für Haiti. Doch das Scheitern einer Gesetzesreform ließ die Projekte platzen. Riesige Gold- und Kupfervorkommen bleiben vorerst unerschlossen – die Umwelt profitiert.
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Cap-HaitienVoller Hoffnung auf einen neuen Job stellte sich Joseph Tony in der Filiale des US-Bergbauunternehmen VCS Mining in Haiti vor. Schließlich hatte der Konzern versprochen, den ländlichen Norden des Inselstaates mit Arbeitsplätzen, Straßen und Elektrizität zu versorgen. „Jeder wartet darauf“, sagt der 50-jährige Tony, der in einem Dorf nahe des Hügels Morne Bossa lebt.

Doch der VCS-Manager vor Ort und der einzige hiesige Mitarbeiter, Williamcite Noel, konnte Tony nichts anbieten. Obwohl VCS sich schon im Dezember 2012 die Lizenz zur Erschließung zweier Goldminen sicherte, tat sich bisher nichts.

Denn das nach dem Morne Bossa benannte Projekt musste schon zwei Monate später wieder eingefroren werden. Grund ist ein Bergbau-Moratorium des haitianischen Parlaments: Die Abgeordneten befürchten, dass das Land aktuell nicht in der Lage ist, eine so komplexe Industrie angemessen zu regulieren.

Dabei hatten viele große Hoffnung in den Bergbau gesetzt, der dem verarmten Land nach der Erdbebenkatastrophe von Anfang 2010 eine neue Einnahmequelle erschließen und Arbeitsplätze schaffen könnte. Unternehmen investierten 30 Millionen Dollar (28 Millionen Euro) in die Erkundung der Gold- und Kupfervorkommen.

Doch die Goldgräberstimmung endete jäh, als es Haiti nicht gelang, eine Reform des Bergbau-Gesetzes zu verabschieden. Wichtige Fragen zu den Lizenzen und zum Umweltschutz sind noch ungeklärt. Für die derzeitige Regierung von Präsident Michel Martelly ist es jetzt zu spät. Das Parlament wurde im Januar aufgelöst. Wann eine neue Regierung im kommenden Jahr ihr Amt antreten kann, ist unsicher.

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