Hamas kündigt neuen Terror an
Fünf Tote bei Feuergefecht in Nablus

Nach einem tödlichen Feuergefecht bei Nablus, bei dem vier Palästinenser und ein israelischer Soldat ums Leben kamen, hat die radikal-islamische Hamas-Gruppe am Freitag neue Racheanschläge angekündigt.

HB/dpa RAMALLAH/GAZA. Unter den bei der Militäraktion Getöteten waren zwei Hamas-Mitglieder. Zum ersten Mal seit Ausrufung der Waffenruhe Ende Juni forderte der militärische Hamas-Arm Issedin el Kassam daraufhin alle seine bewaffneten Gruppierungen in einem Flugblatt zu Anschlägen auf Israelis auf. Hamas-Sprecher Ismail Abu Schanab sprach von einem „klaren und schwerwiegenden“ Verstoß Israels gegen die Waffenruhe.

Suche nach Ausbildungszelle

Israelische Soldaten waren in den frühen Morgenstunden in das Askar-Flüchtlingslager bei Nablus im nördlichen Westjordanland eingedrungen, um ein gesuchtes Hamas-Mitglied festzunehmen. Nachdem die Truppen vor Ort ein Gebäude umstellt hatten, eröffneten militante Palästinenser aus dem dritten Stock das Feuer und töteten einen 20- jährigen Soldaten. Daraufhin belegten die anderen Soldaten das Haus mit schwerem Maschinengewehrfeuer und feuerten auch eine Rakete ab.

Bei einer heftigen Explosion in dem Gebäude wurden zwei Hamas- Mitglieder sowie ein dritter, offenbar unbeteiligter Palästinenser getötet. Ein israelischer Armeesprecher gab an, Sprengstoff, den die Extremisten in dem Haus gelagert hätten, sei detoniert. Das oberste Stockwerk brach daraufhin zusammen, die Armee zerstörte anschließend das gesamte Gebäude mit Bulldozern.

Unter den Toten waren Hamis Abu Salem, der nach israelischen Angaben für die Rekrutierung und Ausbildung von Selbstmordattentätern verantwortlich war, und Fajes A-Sader, der zweitwichtigste Führer von Issedin el Kassam im Großraum Nablus. Ein vierter Palästinenser erstickte nach Angaben des palästinensischen Rundfunks beim Einsatz von Tränengas der Armee vor Ort.

Aufruf zu harter "Rachelektion"

In dem in Gaza veröffentlichten Flugblatt von Issedin el Kassam hieß es später: „Wir rufen alle unsere bewaffneten Zellen dazu auf, auf dieses Verbrechen zu reagieren und dem Feind eine harte Rachelektion zu erteilen.“ Israel, das ohnehin täglich gegen die Waffenruhe verstoße, müsse nun einen „hohen Preis bezahlen“. Hamas hat die „Hudna“ (Waffenruhe) jedoch bislang nicht offiziell aufgekündigt.

In der Frage des international umstrittenen Sperrwalls zum Westjordanland signalisierte Israel unterdessen Bereitschaft zum Einlenken. Ein ranghoher Regierungsbeamter bestätigte am Freitag in Jerusalem, die Regierung wolle hinsichtlich des Verlaufs der Sperranlage über „Alternativen“ beraten, die den Schaden für die palästinensische Bevölkerung durch die Anlage verringern sollen. Bei den neuen Beratungen wolle man auch die Einwände der USA in Betracht ziehen.

Kredite für Israel in Gefahr

US-Außenminister Colin Powell hatte am Donnerstag bekräftigt, die USA betrachteten die Sperranlage als „Problem“ und erwarte von Israel, sie neu zu überdenken. Die USA erwägen nach Medienberichten eine Kürzung angekündigter Kreditgarantien in Milliardenhöhe für Israel, sollte es am ursprünglichen Verlauf des Walls festhalten.

Die israelische Regierung hatten den Bau im Juni vergangenen Jahres nach einer Serie blutiger Selbstmordanschläge in Israel beschlossen. Er soll Attentäter aus dem Westjordanland am Eindringen nach Israel hindern. Die Palästinenser verurteilen den Bau der Sperranlage aus hohen Mauern oder Zäunen, weil er zu großen Teilen auf ihrem Land verläuft und zum Teil Palästinenser von ihren Grundstücken und Äckern abschneidet.

Der UN-Menschenrechtsausschuss in Genf rief Israel zu einem Verzicht auf den Bau der Sperranlagen auf. Diese brächten nicht zu rechtfertigende harte Beschränkungen für die Bewegungsfreiheit der Palästinenser in den besetzten Gebieten mit sich. Das UN-Komitee erkenne aber die ernsthaften Sicherheitsinteressen Israels an.

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