Hamas
Palästinenser feiern, Israelis toben

Die Organisation, die mit Selbstmordattentaten Hunderte Israelis tötete, hat wahrscheinlich die Parlamentswahl in Palästina gewonnen. Der Siegeszug der radikalislamischen Hamas sorgt in Israel für Empörung, die USA und die EU reagieren reserviert. Doch hinter den Kulissen dürfte längst ein Umdenken eingesetzt haben.

co RAMALLAH. Die regierende Palästinenserorganisation Fatah räumte am Donnerstag ihre Niederlage gegen die radikalislamische Hamas bei den Parlamentswahlen ein. Die Hamas habe nach vorliegenden Informationen eine Mehrheit, sagten Fatah-Vertreter in Gaza und Ramallah. Eine offizielle Bestätigung der Wahlkommission blieb allerdings zunächst aus. Eine Pressekonferenz zur Bekanntgabe erster Ergebnisse sei auf Drängen der Fatah auf 19 Uhr verschobenen worden, hieß es. Hamas-Vertreter erklärten, sie hätten eine absolute Mehrheit der 132 Sitze.

Angesichts des sich abzeichnenden Sieges der Hamas hat das Kabinett unter Führung der Fatah am Donnerstagmorgen seinen Rücktritt eingereicht. Ministerpräsident Ahmed Kureia erklärte: „Die Hamas sollte die neue Regierung bilden, wenn sich ihr Sieg bestätigt.“

Der Rücktritt des Kabinetts ist zwar eine Formalität nach jeder Wahl, aber der Zeitpunkt war überraschend früh. Präsident Mahmud Abbas muss anschließend die Partei mit den meisten Parlamentssitzen mit der Regierungsbildung beauftragen.

Der wahrscheinliche Wahlsieg der Hamas löste in Israel Empörung aus. Der israelische Rundfunk meldete, die Regierung werde keine Gespräche mit der radikalislamischen Gruppe führen. Die Niederlage der regierenden Fatah müsse den Palästinensern große Sorge bereiten. Jerusalem rechne nun mit einer Verschärfung des internen Machtkampfes in den Palästinensergebieten und einem möglichen Stopp der internationalen Hilfsgelder für die Palästinenser.

Der Verband israelischer Terroropfer erklärte. „Der Hamas-Sieg beweist dem israelischen Volk, dass dort (in den Palästinensergebieten) derjenige mehr Erfolg hat, der mehr von uns tötet“, sagte ein Sprecher der Organisation Almagor.

Der frühere israelische Botschafter in den USA und langjährige Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, Salman Schoval, verglich die Parlamentswahl in den Palästinensergebieten mit der Situation 1933 in Deutschland. Demokratische Wahlen hätten eine undemokratische, terroristische Partei, die von der Zerstörung Israels spreche, möglicherweise bis an die Macht gebracht, sagte Schoval im Deutschlandradio Kultur. „Die Hamas hat eigentlich nur eine Ideologie. Die Ideologie ist die Zerstörung des Staates Israel.“

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