Hamas stürmt Moschee
Mindestens 28 Tote bei Kämpfen im Gazastreifen

Im Gazastreifen hat die radikale Hamas am Wochenende eine Revolte von rivalisierenden Islamisten gewaltsam niedergeschlagen. Bei den schweren Kämpfen wurden nach Angaben einer Menschenrechtsgruppe 28 Menschen getötet und etwa 100 weitere verletzt.

rtr GAZA. Im Gazastreifen ist es am Wochenende zu den schwersten inner-palästinensischen Auseinandersetzungen gekommen, seit die Hamas dort vor zwei Jahren die Macht übernommen hatte. Die Islamisten begehrten gegen die Herrschaft der Hamas auf, indem sie das Küstengebiet zu einem "islamischen Emirat" nach Vorbild der Al-Kaida erklärten. Hamas-Kämpfer stürmten daraufhin in der Nacht zu Samstag in Rafah eine Moschee und umliegende Häuser, in denen sich die Islamisten verschanzt hatten. Anwohner sprachen von einer "Nacht des Horrors". Die Sicherheitskräfte nahmen Dutzende Mussa-Anhänger fest. Unter den Toten befand sich nach Hamas-Angaben auch der Anführer der Al-Kaida nahestehenden Gruppe "Dschund Ansar Allah" (Krieger Gottes), Abdel-Latif Mussa. Er soll sich zusammen mit einem Berater in die Luft gesprengt haben.

Mussas Gruppe wollte "eine Rückkehr zur Anarchie", wie das Innenministerium in Gaza erklärte. Die Hamas habe aber deutlich gesagt, dass es dafür keine Möglichkeit gebe. Wegen seiner unüberlegten Verkündung eines "Emirats" trage Mussa die Verantwortung für die Gefechte. Die Bezeichnung "Emirat" wird von der Al-Kaida im Zusammenhang mit einer Religionsherrschaft in der islamischen Welt genutzt.

Unter Mussas getöteten Anhängern waren auch einige frühere Hamas-Kämpfer, die wie ihr Wortführer die Einführung eines streng islamischen Rechtssystems im Gazastreifen forderten. Die Extremisten hätten junge Männer in die Irre geführt, sagte Hamas-Chef Ismail Hanijeh.

Die "Dschund Ansar Allah" ist eine von mehreren kleineren palästinensischen Splittergruppen, die sich der Al-Kaida verbunden fühlt. Ihre Existenz ist erst seit Juni bekannt. Drei ihrer Mitglieder wurden damals bei einem Angriff auf einen israelischen Grenzposten getötet. Die Hamas beschuldigt die Gruppe zudem, mehrere Attentate auf Palästinenser verübt zu haben, darunter Bombenanschläge auf Internet-Cafes.

Die säkulare PLO von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas warf der Hamas vor, den Gazastreifen in ein Auffangbecken für anti-westliche Extremisten zu verwandeln. Maha Assam, Experte vom Chatham House in London, geht allerdings nicht davon aus, dass sich der schmale Küstenstreifen zu einer neuen internationalen Basis für Al-Kaida entwickelt. "Das, was in Gaza in den letzten Monaten geschehen ist - der israelische Einmarsch und die wirtschaftliche Lage - hat einen neuen Extremismus an den Rändern bewirkt. Es bedeutet aber keine Ausdehnung der Al-Kaida nach Gaza."

Palästinensischen Experten zufolge gibt es zwei Gründe für das harte Vorgehen der Hamas. "Die Botschaft der Hamas an die Palästinenser lautet: Die Gruppe ist der Alleinherrscher im Gazastreifen", sagte Hani Habib. Aber er fügte hinzu: "Ich denke das Hauptziel war, dem Westen zu zeigen, dass sie in der Lage dazu ist, jedes mögliche Erstarken radikalerer Gruppen zu unterdrücken und zerschlagen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%