Handel mit Derivaten
Brüssel setzt auf Börse im Derivatehandel

Die EU-Kommission hat bekräftigt, dass sie Licht in die Grauzonen des Derivatehandels bringen will. Der gesamte Handel mit derartigen Kontrakten müsse transparenter werden und solle deshalb an die Börse gebracht werden, stellte die Brüsseler Behörde gestern klar.

BRÜSSEL. Bereits ab Ende dieses Monats soll der Handel mit den Kreditausfallversicherungen, den Credit Default Swaps (CDS) an zentralen Clearing-Stellen abgewickelt werden. Im Februar hatten sich die Banken dazu freiwillig verpflichtet. Dieses Versprechen müssten die Geldinstitute nun auch einhalten, mahnte die Kommission. Sie machte zudem deutlich, dass auch Zinsswaps, Währungs- und Rohstoffkontrakte mittelfristig nur noch an der Börse gehandelt werden sollten.

Der Derivate-Handel hat weltweit ein Volumen von über 630 Bill. Euro. CDS haben daran einen Anteil von zehn Prozent mit steigender Tendenz. Bei den Derivaten handelt es sich meist um maßgeschneiderte Finanzprodukte, die direkt zwischen Unternehmen gehandelt werden. Die Aufsichtsbehörden haben über die mit diesem Geschäft verbundenen Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte nur wenig Überblick. Deshalb wollen auch die USA den Derivate-Handel nun strikt regulieren. Die amerikanische Regierung entschied kürzlich, den besonders unübersichtlichen CDS-Handel auf Börsenplattformen zu zwingen. Die US-amerikanische Börse ICE Clear und die Deutsche-Börse-Tochter Eurex wollen den Service ab Ende Juli anbieten. LCH Clearnet will Ende des Jahres ebenfalls in das Geschäft einsteigen.

Während die USA den börslichen CDS-Handel gesetzlich vorschreiben wollen, setzt die EU bisher auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie. Das könnte sich ändern, wenn die Bankenverbände ihr Versprechen nicht einhalten. EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy hatte schon öfter gedroht, dass er notfalls gesetzliche Maßnahmen ergreifen werde. Wenn die Industrie nicht in der Lage sei, ihren Verpflichtungen nachzukommen, werde die Kommission andere Wege untersuchen, um Anreize zur zentralen Verrechnung zu schaffen, hieß es gestern in Brüssel. Mögliche Gesetzentwürfe dazu will die EU-Behörde bis Jahresende vorlegen. Mitte September haben die betroffenen Finanzinstitute, ihre Verbände sowie Regierungen in einer öffentlichen Anhörung in Brüssel Gelegenheit, sich zu äußern.

In der EU-Kommission wird eingeräumt, dass die Regulierung des Derivatehandels der Branche empfindliche Umsatzeinbußen bescheren könnte. Ein maßgeschneidertes Finanz-Risikomanagement, wie es derzeit viele Unternehmen nutzen, wird mit einer zunehmenden Standardisierung der Produkte immer schwieriger. Die Nachfrage nach Risiko-Papieren könne sich verringern, hieß es in Brüssel.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%