Handel mit Iran
„Chinesen und Russen klatschen in die Hände“

Während der deutsch-arabische Handel im ersten Quartal zugelegt hat, kommt das Neugeschäft in Iran nach den Präsidentschaftswahlen nahezu zum Erliegen. Deutsche Unternehmen machen ihrem Frust über die Verschärfung des politischen Klimas Luft – die Kritik an der Bundesregierung wird lauter.

BERLIN. Es dauert keine Sekunde, und das Lächeln von Felix Neugart verwandelt sich in eine zitronensaure Miene. „Wir rechnen damit, dass sich der Rückgang der deutschen Exporte in Iran fortsetzt“, sagt der Referatsleiter des DIHK für den Nahen Osten.

Eben noch strahlte Neugart im lichtdurchfluteten Foyer des Hauses der Deutschen Wirtschaft in Berlin. Er feierte mit rund 850 hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Politik den deutsch-arabischen Handel, der trotz Finanzkrise im ersten Quartal zugelegt hat. Selbst der Bundeswirtschaftsminister sang beim Jahrestreffen der Arabisch-Deutschen Handelskammer (Ghorfa) Ende letzter Woche eine Lobeshymne auf die Scheichs.

Doch beim Thema Iran kippt die Stimmung. „Das Neugeschäft kommt nach der iranischen Präsidentschaftswahl praktisch zum Erliegen“, sagt Harald Grefe, Vize bei der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, die sich unter den deutschen Kammern auf den arabischen Raum spezialisiert hat.

Ein weiterer Absturz bei den Ausfuhren ist also programmiert. Bereits im ersten Quartal brachen die deutschen Lieferungen in die islamische Republik um 22 Prozent ein. Im Vorjahr waren sie noch auf ein Gesamtvolumen von vier Milliarden Euro gestiegen – trotz der Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms.

Zwar wollen sich deutsche Unternehmer nicht offiziell zu ihrem Iran-Geschäft äußern. Doch hinter vorgehaltener Hand machen sie ihrem Frust über die Verschärfung des politischen Klimas Luft. „Der Ruf nach einer Ausweitung der Sanktionen wird lauter, der Druck auf die Firmen größer“, befürchtet der Spitzenmanager eines Dax-Konzerns. „Darunter leidet der Handel.“ Christian Ule, Partner bei der Anwaltskanzlei Mena Legal Advisers, Frankfurt/Dubai, sieht bereits erste Auswirkungen: „Einige deutsche Unternehmen wollten in Teheran eine Zweigstelle oder eine selbstständige Tochtergesellschaft gründen, doch jetzt sind die Pläne zunächst einmal vom Tisch.“

Manche ärgern sich auch über die Bundesregierung. So stoßen die harschen Worte von Kanzlerin Angela Merkel, die Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad aufforderte, die Stimmen zur Wahl neu auszuzählen, in der Wirtschaft zum Teil auf Unverständnis. „Iranische Betriebe dürfen derzeit keine Kontakte zu Ländern knüpfen, die sich kritisch geäußert haben“, klagt der Inhaber eines mittelständischen Handelshauses aus Ostwestfalen. „Vor allem Staatsfirmen treten auf die Bremse.“ Daniel Bernbeck, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran, warnt: „Auch Deutschland gerät ins Visier der iranischen Regierung.“

Seite 1:

„Chinesen und Russen klatschen in die Hände“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%