Handel zwischen China und Indien steigt kräftig
Die Riesen rücken näher zusammen

China etabliert sich als geschickter Taktierer in Asien und auch weltweit. Dabei gibt Peking auch die Tonart vor: Während Premier Wen Jiabao große Kooperationen mit Indien verkündet, lassen es die Machthaber daheim auf eine Konfrontation mit Japan ankommen.

HB NEU-DELHI. Nach jahrzehntelanger Feindschaft treten die Beziehungen zwischen China und Indien in eine neue Phase. Kürzlich besiegelten die Premierminister der beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt in Neu-Delhi eine "strategische Partnerschaft für Frieden und Wohlstand". Kernstück ist ein Vertrag, der eine pragmatische Einigung in der strittigen Grenzfrage zum Ziel hat. Außerdem wollen beide Länder wirtschaftlich enger zusammenarbeiten und "globale Herausforderungen und Bedrohungen" gemeinsam angehen. Unter anderem unterstützt China nun Indiens Anspruch auf einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat.

"Wir sind keine Rivalen, sondern Freunde", beteuert Chinas Premier Wen Jiabao bei seinem viertägigen Staatsbesuch in Indien. Analysten erkennen einen historischen Wendepunkt im Verhältnis der beiden Nuklearmächte, die sich seit ihrem Grenzkrieg 1962 mit tiefem Misstrauen beäugt haben. "Die Beziehungen haben sich radikal und irreversibel gewandelt," meint Swaran Singh, Professor an Delhis Nehru-Universität und einer der führenden China-Experten Indiens. Er ist sich sicher, dass mit einer Lösung der Grenzprobleme sich die Sicherheitslage in ganz Asien entspannen werde. Indien müsste dafür seinen Anspruch auf chinesisch besetzte Teile Kaschmirs aufgeben. China würde Indiens Kontrolle über den Bundesstaat Arunachal Pradesh anerkennen.

Kooperation auf dem Energiesektor

Eine solche Einigung würde den Bau von Straßenverbindungen ermöglichen, die Chinas rückständigen Westprovinzen Zugang zum Indischen Ozean gewähren, und der Erschließung von Wasserkraftprojekten im Himalaja den Weg bereiten. Indiens Premier Manmohan Singh diskutierte mit Wen Jiabao sogar Alternativen zur Rivalität ihrer energiehungrigen Länder bei der Jagd nach Öl- und Gasquellen. Weil das die Preise treibt, wollen beide künftig bei Öl- und Gasexploration in Drittländern kooperieren.

"Von nun an wird ökonomische Logik dem politischen Prozess die Hand führen", glaubt der China-Experte Singh. Gestern unterschrieben die Nachbarn Vereinbarungen, die von IT-Kooperationen bis zum Ausbau der Flugverbindungen reichen. Außerdem nahmen sie Gespräche über die Einrichtung einer Freihandelszone auf. Diese würde fast ein Drittel der Menschheit umfassen. Schon jetzt explodiert der bilaterale Handel, und das trägt zum Ende der politischen Eiszeit bei: Im Vorjahr stieg er um 79 Prozent auf 13,6 Mrd. Dollar. 1992 waren es erst 338 Mill. Dollar. Peking hat sich binnen kürzester Zeit zu Indiens zweitgrößtem Handelspartner aufgeschwungen und dürfte die USA bald von Platz eins verdrängen. Dennoch seien gute Beziehungen mit beiden Ländern im Interesse Indiens, betont ein europäischer Spitzendiplomat aus Neu-Delhi.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verschiebung der Machtbalance mit Risiken

Seite 1:

Die Riesen rücken näher zusammen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%