
NEU-DELHI/BRÜSSEL. Die Flutkatastrophe in Pakistan setzt die Europäische Union unter Druck, ihre Handelsbarrieren gegenüber dem asiatischen Land abzubauen. Die pakistanische Regierung fordert von der EU und den USA, dass sie ihre Märkte öffnen. Pakistan werde beantragen, dass seine Textilausfuhren zehn Jahre lang zollbegünstigt werden, sagte Textilminister Rana Farooq Saeed.
Der Vorstoß bringt Brüssel und Washington in Bedrängnis. Pakistan verlangt schon seit Jahren vergeblich Zollpräferenzen für sein wichtigstes Exportprodukt. Noch im Juni hatte EU-Kommissionschef José Manuel Barroso Pakistans Premier Yousuf Raza Gilani abblitzen lassen.
Unter dem moralischen Druck der Flutkatastrophe bewegt sich die EU-Kommission jetzt allerdings doch. Handelskommissar Karel de Gucht wolle pakistanischen Textilexporteuren zollfreien Zugang zum EU-Binnenmarkt gewähren, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Geschehen solle dies im Zuge der anstehenden Reform des EU-Zollpräferenzsystems für Entwicklungsländer. De Gucht werde dazu Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres einen Entwurf vorlegen, hieß es in Kommissionskreisen. Die Flutopfer haben davon allerdings erst einmal nichts, weil die EU-Gesetzgebungsmaschine langsam läuft. Pakistanische Bettwäsche und Teppiche kämen frühestens 2012 zollfrei auf den europäischen Markt, hieß es in Brüssel.
Kurzfristig hilft die EU lieber mit Geld. 125 Mio. Euro haben die Kommission und die Mitgliedstaaten für die Katastrophenhilfe schon bewilligt. Noch mehr Geld soll bei einer internationalen Geberkonferenz voraussichtlich im Oktober in Brüssel zusammenkommen.