Handelsbeziehungen
Störfeuer im Irangeschäft

Im Atomstreit wagt Iran die Machtprobe. Da sich Teheran weigert, die Urananreicherung auszusetzen, muss die Uno jetzt über Sanktionen entscheiden. Aber neben China, Russland und Frankreich hat auch Deutschland starke Geschäftsinteressen in Iran.

DÜSSELDORF. Iran war im Nahen und Mittleren Osten bislang ein bedeutsamer Abnehmer deutscher Waren. Doch mit der Weigerung Teherans, im Atomkonflikt auf die Forderungen des Uno-Sicherheitsrates einzugehen, rücken Wirtschaftssanktionen auf die Agenda – und damit droht den deutschen Exporteuren Ungemach. Schon jetzt machen sich erste Eintrübungen im Geschäft bemerkbar.

2005 waren die deutschen Ausfuhren nach Iran um fast 24 Prozent auf 4,43 Mrd. Euro gestiegen, die EIU weist in ihrer Statistik noch höhere Summen aus. Davon waren Lieferungen über 1,4 Mrd. Euro durch Hermes-Bürgschaften abgesichert. Deutschland ist damit Lieferland Nummer eins für Iran. Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau ist Iran umgekehrt der größte Abnehmer in der Region. Im ersten Halbjahr haben die deutschen Maschinenbauer Waren für 800 Mill. Euro nach Iran exportiert, das waren drei Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch nun bahnt sich eine Trendwende an. Insgesamt sanken in den ersten sechs Monaten die Exporte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2005 um zehn Prozent auf zwei Mrd. Euro. Dahinter verbirgt sich nach Auffassung von Felix Neugart, Nah- und Mittelostexperte beim Deutschen Industrie und Handelskammertag (DIHK), nicht nur die Großwetterlage, sondern auch die politische Neuorientierung Teherans. „Nach dem Amtsantritt von Präsident Ahmadinedschad im Sommer 2005 gab es erhebliche Umbesetzungen in der Verwaltung und in den Staatsunternehmen. Dadurch haben sich Verzögerungen bei der Auftragsvergabe ergeben“, sagt Neugart. Er sieht zudem eine zunehmende Tendenz in Iran, Aufträge an nationale Konsortien zu vergeben.

Ein Großauftrag für den Wiesbadener Linde-Konzern ist sogar gestoppt worden. Linde sollte zusammen mit dem koreanischen Hyundai-Konzern zwei Ethylenanlagen bauen. Das hätte für Linde einen Auftragswert von 400 Mill. Euro bedeutet. Auf Intervention des Ölministeriums übernehmen nun iranische Firmen den Auftrag.

„Wir haben es in der Tat mit einer deutlichen Verschlechterung der Rahmenbedingungen im Iran-Geschäft zu tun“, sagt auch der Nah- und Mittelost-Fachmann des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Robert Dölger.

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