Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Indien
Streit über deutsche Visa-Politik

Der Handel blüht, die Investitionen steigen, doch das Stimmungshoch in den deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen hat einen Schönheitsfehler: Engpässe bei der Visa-Vergabe sorgen auf indischer Seite für Irritation.

Engpässe: Lange Wartezeiten bei der Visa-Vergabe gewinnen für die Inder die Dimension nicht-tarifärer Handelshürden. „Die Visa-Frage ist ein großes Problem“, kritisiert Wirtschafts- und Handelsminister Nath, „die Deutschen müssen das besser hinbekommen."

Lange Wartezeiten: Aus aktuellem Anlass hatte Premier Manmohan Singh das Thema bereits bei seinem Deutschlandbesuch im April dieses Jahres angesprochen. Teile der indischen Delegation waren wegen Visa-Problemen zu spät auf der Hannovermesse eingetroffen. Das nächste Großereignis steht kurz bevor: Bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober wird mit einem ähnlichen Ansturm gerechnet.

Antragsflut: Neben Messen kurbeln Investitionen den Besucherstrom an: Viele indische IT-Firmen gründen Niederlassungen in Deutschland, Autozulieferer und Pharmahersteller kaufen dort Firmen, und die Nachfrage nach Maschinen ließ deutsche Exporte nach Indien im ersten Halbjahr 2006 um 44 Prozent steigen. Der Botschaft bekannte Vielreisende kommen zwar in den Genuss von Erleichterungen. Doch andere Geschäftsleute klagen, sie müssten oft drei und teilweise bis zu sechs Wochen auf ein Visum warten. Kurzfristige Termine seien so kaum wahrzunehmen. Auch die Behandlung sorgt für Anstoß: Außer über langes Warten echauffieren sich Manager über die Durchleuchtung ihres Privatlebens, etwa durch die Vorlage von Steuerunterlagen und Kontoauszügen.

Ursache umstritten: Nath geht davon aus, dass Personalknappheit für Verzögerungen verantwortlich ist. Mit der Visa-Vergabe in Indien vertraute Deutsche bestätigen, dass die Bewältigung der Antragsflut nicht leicht ist. Das Auswärtige Amt wiegelt indes ab. Kurzzeitige saisonale Engpässe ließen sich zwar nicht immer vermeiden. Gravierende Probleme vor der Hannovermesse seien aber nicht bekannt. „Die Bearbeitungsdauer für Touristen- und Geschäftsvisa beträgt in Delhi nicht länger als fünf Tage, meist erheblich kürzer“, beteuert ein Sprecher. An Personal fehlt es laut Außenamt nicht. Als wahrscheinliche Gründe für Fälle, in denen es länger dauert, werden Versäumnisse der Inder angeführt: unvollständige Unterlagen, Missbrauchsverdacht oder fehlender Nachweis von Geschäftsbeziehungen nach Deutschland.

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