Handelsblatt-Gespräch: "Die USA haben im Irak derzeit genügend Probleme"

Handelsblatt-Gespräch
"Die USA haben im Irak derzeit genügend Probleme"

Im politischen Konflikt zwischen USA, Syrien und Iran verschärft sich der Tonfall der Beteiligten. Wie weit wird die Eskalation gehen? Ein Handelsblatt-Gespräch mit dem renommierten Nahost-Experten Barry Rubin, Direktor des Gloria Centers (Global Research in International Affairs) am Interdisciplinary Center (IDC) in Herzlia/Israel.

Herr Rubin, Syrien und Iran wollen eine gemeinsame Front gegen die USA bilden. Stehen wir vor einer neuen Eskalation?

Iran und Syrien sind zwei verschiedene Fälle. Der aktuelle Fall Iran bezieht sich vordringlich auf die nukleare Aufrüstung. Daneben haben die USA zwei weitere Vorwürfe an den Iran. Teheran unterstützt den Terror und sabotiere den israelisch-palästinensischen Friedensprozess.

Washington droht, mit einem Militärschlag die Atompläne Irans zu zerstören.

Die USA hoffen immer noch, dass eine amerikanisch-europäische Kooperation in der Diplomatie erfolgreich sein kann. Derzeit denkt man in Washington nicht über diesen Punkt hinaus. Ich glaube nicht, dass die USA jetzt einen Angriff gegen iranische A-Anlagen planen, wenigstens nicht in der unmittelbaren Zukunft. Die USA haben im Irak derzeit genügend Probleme. Zudem gäbe es kaum internationale Unterstützung für einen solchen Schlag.

Viel Zeit bliebt aber nicht, wenn man israelischen Quellen glaubt.

Ob der Iran demnächst über das nukleare Wissen verfügt oder nicht, ist letztlich eine Definitionsfrage. Sicher ist nur, dass sich der Iran dem kritischen Punkt nähert. Deshalb ist es jetzt höchste Zeit für diplomatische Aktionen, um das zu verhindern. Leider nimmt man in Europa das Problem zu wenig ernst.

Israel hat in der Vergangenheit wiederholt mit Schlägen gegen die iranischen Nuklearpläne gedroht. Was steckt hinter den Drohungen?

Israel wird den Iran nicht angreifen. Dafür gäbe es keine internationale Unterstützung. Vor allem aber wäre es logistisch sehr schwierig. Das müssten schon die USA übernehmen.

Welche Konsequenzen hat denn der neue syrisch-iranische Schulterschluss?

Ich weiß nicht, wie ernst man das als neue Entwicklung nehmen muss. Die beiden Länder haben ja seit dem Golfkrieg in den achtziger Jahren eine enge Beziehung. So gewährte Teheran den Syriern einen Ölrabatt, was der bedrängten syrischen Wirtschaft half. Zudem arbeiten sie in Sachen Libanon und Hisbollah eng zusammen. Syrien könnte aber jetzt Probleme mit der arabischen Welt bekommen, vor allem mit Ägypten. Denen passt die iranisch-syrische Zusammenarbeit nicht. Und auch die Golfstaaten sehen es als Bedrohung. Die Allianz könnet zudem den eben erst in Gang gekommenen israelisch-palästinensischen Annäherungsprozess stören, weil beide Länder enge Verbindungen zu palsätinensischen Terrorgruppen pflegen.

Muss man sich auch in Europa Sorgen machen?

Zwei Ländern, die den Terror unterstützen und fördern, das kann nicht im Interesse europäischer Länder sein. Aber die Appeasement-Politik der EU sieht darüber hinweg und schafft damit neue Probleme für die Zukunft. Die EU sieht sogar wissentlich über ein offenkundiges Fehlverhalten der Syrier hinweg. Sie machte im vergangenen Jahr beim Assoziierungs-Abkommen Konzessionen an Damaskus, ohne Gegenforderungen zu stellen - zum Beispiel einen Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon oder ein Ende der Unterstützung terroristischer Organisationen zu verlangen. Wenn es stimmt, dass Syrien hinter der Ermordung des ehemaligen libanesischen Premeir Rafik Hariri steckt, kann man sehen, wie solches von Damaskus honoriert wird.

Die Fragen stellte Pierre Heumann

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