Handelsblatt-Interview
„Globalisierung ist das Beste für Entwicklungsländer“

Der renommierte Wirtschaftsberater Hernando de Soto über die Fehler der Entwicklungshilfe und seine Ideen, wie sich die Armen der Welt selbst helfen können.

Handelsblatt: Tony Blair will Afrika die Schulden erlassen, Popstar Bono sammelt Spendengelder, und der Ökonom Jeffrey Sachs ruft die Industrieländer zu mehr Hilfe für die Armen auf. Erleben wir eine Renaissance der Entwicklungshilfe?

De Soto: Ja, es geht wieder darum, den Armen Geld zu spenden – mit guten Argumenten, aber noch mehr Publicity. Wenn Bill Clinton hunderttausend Menschen in Afrika mit billigeren Aids-Medikamenten das Leben retten kann, dann ist das zweifellos eine gute Sache. Doch Wohltätigkeit und Entwicklung sind zwei verschiedene Dinge. Denn eine längerfristige Lösung für die Probleme der Entwicklungsländer bringen solche Aktionen natürlich nicht. Afrika hat bis heute siebenmal so viel Hilfe bekommen wie Deutschland mit dem Marshall-Plan. Doch die Ergebnisse sind bescheiden. Ich halte deswegen die Idee etwa von Jeffrey Sachs, der davon ausgeht, dass mehr Entwicklungshilfe die Armut verringern wird, für den völlig falschen Weg.

Handelsblatt: Warum?

De Soto: Weil Entwicklungshilfe die falschen Anreize setzt. Sie lenkt die Aufmerksamkeit ab von den Modellen weltweit, die wirklich funktionieren, weil sie Armut verringern.

Handelsblatt: Welche Modelle meinen Sie?

De Soto: Zum Beispiel China. Dort wurden schrittweise Eigentumsrechte und Marktmechanismen eingeführt – und es funktioniert dort, das funktioniert in Indien und in einer ganzen Reihe von ehemals armen Ländern. Darauf soll man sich konzentrieren. Deswegen bin ich frustriert, wenn jetzt wieder die Rezepte der simplen Armutslinderung diskutiert werden. Deren langfristige Folgen sind schädlich: Denn wer Erfolg hat, ist ungemein einflussreich als Vorbild. Wenn aber dein Vorbild der Meinung ist, dass du es nur mit seiner Wohltätigkeit zu etwas bringen kannst, dann führt das zu Abhängigkeit und Passivität.

Handelsblatt: Ist denn ein Schuldenerlass, wie die G8 ihn beschlossen hat, sinnvoll für arme Länder?

De Soto: Für einige kleinere Länder, die ihre Schulden offensichtlich nie zurückzahlen können, ist so ein Erlass sinnvoll. Wenn die Staaten die Mittel korrekt nutzen, dann ist das durchaus eine Lösung. Wir müssen aber sehen, ob das funktioniert. Einen anderen Weg ist Argentinien gegangen. Die haben hart verhandelt, und jetzt müssen wir sehen, wie die Kapitalmärkte reagieren. Kann Wall Street verzeihen? Wenn die ausländischen Investoren weiter investieren, dann hat Argentinien einen neuen Weg aus der Schuldenfalle geebnet.

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