Handelsblatt-Korrespondenten berichten
Wie das Ausland Merkel sieht

Wie die Wahl von Angela Merkel zur neuen Bundeskanzlerin in den vier wichtigsten Partnerländern Frankreich, USA, Russland und Italien gesehen wird.

Zu Frankreich fehlt noch der gute Draht

Angela Merkel war sicher nicht die Wunschkandidaten von Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac. Dieser hatte ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu Bundeskanzler Schröder entwickelt. Die Güte der deutsch-französischen Beziehungen stehen und fallen immer mit dem Verhältnis der Staatschefs zueinander. Den guten Draht zu Chirac muss Merkel erst noch aufbauen. In Paris hat die Bundeskanzlerin das Image einer Transatlantikerin, der die Beziehungen zu den USA mindestens so wichtig sind wie die zu Frankreich. Beruhigt wird in Paris notiert, dass Merkel wie ihr Vorgänger am Kompromiss zur EU-Agrarpolitik festhalten will.

Washington freut sich

Kanzlerin Angela Merkel genießt in Washington großen Respekt. „Merkel hat sich auch zu Amerika bekannt, als die transatlantischen Wogen wegen des Irak-Krieges hoch schlugen“, sagte ein hochrangiger US-Regierungsbeamter dem Handelsblatt. Allerdings hätten sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen auch im letzten Jahr der rot-grünen Koalition deutlich verbessert. Washington erhofft sich von Berlin Hilfe bei der Demokratisierung Osteuropas, Zentralasiens und des Mittleren Ostens, weil Deutschland durch die Integration der DDR „Erfahrung wie kaum ein anderes Land“ habe, heißt es im US-Außenministerium.

Russlands Messlatte für Merkel ist hoch

Angela Merkel stößt in Moskau auf große Vorbehalte: Da die Beziehungen zu Deutschland unter Gerhard Schröder die engsten mit einem ausländischen Staat überhaupt waren und Kremlchef Wladimir Putin mit Schröder eine innige Männerfreundschaft pflegte, liegt die Messlatte für Merkel in Moskau hoch. Doch Putin wäre kein eingefleischter KGB-Mann, hätte er nicht längst umgeschaltet: Schon zu Schröders Zeiten hat er seine Fühler zur CDU ausgestreckt und erste Treffen mit Merkel gehabt. Auch künftig dürfte also gelten: Im Osten nichts Neues. Deutschland braucht russisches Gas und Öl und Russland deutsche Autos und Maschinen.

Italien erwartet ein entspannteres Verhältnis

Die Beziehungen zwischen Rom und Berlin können sich unter der neuen Bundesregierung nur verbessern. Zwischen Schröder und Berlusconi war es nicht nur wegen verbaler Ausfälle des Tourismus- Staatssekretärs Stefano Stefani zu Differenzen gekommen. Auch bei der Uno-Reform und dem Irak-Krieg hatten die Regierungschefs entgegengesetzte Auffassungen. Berlusconis Verhältnis zu Merkel, die er in der Vergangenheit bereits mehrfach getroffen hat, dürfte also entspannter sein. Unklar ist jedoch, ob Berlusconi langfristig der Ansprechpartner für die Kanzlerin bleibt. In Italien stehen im April Wahlen an – und bisher liegt die Opposition weit vorne.

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